Man darf sich ruhig trauen, das Kind beim Namen zu nennen. Ein amerikanischer Konzern, dessen Name mit G beginnt, hat sich ein Stück Oberösterreich gekauft, das ungefähr so groß ist wie drei Bad Ischler Golfplätze, und will dort künftig Bits und Bytes hin und her schieben, bis die nächste Generation in Rente ist. Damit das funktioniert, zapft er das lokale Stromnetz an wie ein Teenager den Kühlschrank um drei Uhr nachts. 150 Megawatt Anschlussleistung, weil der kleine Handyakku halt nicht mehr reicht, wenn man einer KI das Denken beibringen will.
Die fünf Verteilernetzbetreiber des Landes haben sich also an einen Tisch gesetzt, vermutlich in einem Konferenzraum, in dem jemand „Versorgungssicherheit“ auf die Glasscheibe foliert hat, und haben ehrfürchtig festgestellt: Ui, das ist ja die Speerspitze der Digitalisierung! So formuliert man das in Österreich, wenn man gleichzeitig beeindruckt und hilflos klingen möchte. Man verbeugt sich höflich vor den Datenkraken, die aus Übersee kommen, und hofft, dass sie noch ein zweites Rechenzentrum bestellen, weil dann gibt’s nächstes Jahr vielleicht wieder ein Hintergrundgespräch mit Brötchen.
Besonders rührend ist die Beteuerung, dass man KI selbstverständlich nur mit eigenen Daten füttere. Das ist ungefähr so beruhigend wie der Hinweis einer Bank, dass sie die eigenen Tresore auch wirklich selbst benutze. Man schützt seine Daten, plant seine Netze, simuliert ein bisschen was rum und lässt gleichzeitig die größte Rechenwüste des Kontinents ein paar Kilometer weiter das Licht anknipsen, als wäre das ein kleiner regionaler Schützenverein, der einen Stromanschluss braucht.
Dass Google für das nötige Umspannwerk zwischen 15 und 20 Millionen Euro hingeblättert hat, nennt die Branche „branchenüblich“. Das erinnert an die Wiener Immobilienwelt, wo ein Penthouse am Ring auch immer „branchenüblich“ ein paar Millionen kostet, egal ob drin schon die Fußbodenheizung funktioniert oder nicht. Im Übrigen, so wird einem mitgeteilt, herrsche absolute Gleichbehandlung. Ein Kunde wie jeder andere. Der Wirt vom Nachbardorf, der seit drei Jahren auf seinen Glasfaseranschluss wartet, wird sich herzlich freuen, wenn er erfährt, dass er denselben Status genießt wie ein Konzern, der im selben Augenblick den halben Speckort inklusive Kühlturm bestellt.
Die armen Aktivistinnen und Aktivisten vor Ort verlangen derweil nichts Unmögliches. Sie wollen einfach nur wissen, was genau unterschrieben wurde. In Österreich gilt das schon als Hochverrat, insbesondere, wenn das Papier unter Verschluss liegt, weil „wirtschaftliche Interessen“. Man stelle sich vor, ein Wirtshaus verheimlicht seine Speisekarte gegenüber den Stammgästen, weil das Rezept vom Schnitzel ein Betriebsgeheimnis ist. Wäre das ein Land, in dem man gern einkehrt? Eben.
Die Pointe ist so österreichisch wie der Kaiserschmarrn am Sonntag: Wir sitzen auf einer zentralen Lage in Europa, mit Bergen, Seen, gemütlicher Strominfrastruktur und einem förmlich höflichen Auftreten bei Verhandlungen. Genau deshalb kommen alle her. Und weil das so ist, müssen wir uns nicht wundern, wenn irgendwann zwischen Salzburg und Linz mehr Bits die Landschaft aufheizen als die Hühner im Innviertel. Solange das Netz nicht zusammenbricht, die Kühlung hinhaut und die KI wenigstens ab und so freundlich Hallo sagt, passt ja alles. Die Versorgungssicherheit ist halt dann am größten, wenn man sie niemandem erklären muss, sondern einfach den Knopf drückt und das Licht geht an. Der Rest ist Kleingedrucktes.