Man muss den Beteiligten zugutehalten, dass sie sich nach einer 0:4-Klatsche gegen die Amateure aus der oberösterreichischen Landeshauptstadt nicht etwa hinsetzten und nachdachten. Nein, sie stellten sofort die Diagnose: alle Goalgetterqualität. Achtung, diese Formulierung stand wirklich so im Raum. Wahrscheinlich dieselbe Qualität, die ein passionierter Flaneur hat, wenn er in Wien über die Kärntnerstraße schlendert und dabei ganz zufällig ins Schaufenster eines Sportgeschäftes schaut, in dem gerade Fußballschuhe ausliegen. Man ist also Goalgetter, man muss nur das Tor nicht treffen, man muss es nur anschauen.
Was war geschehen? Man war auswärts angetreten und hatte sich offenbar vorgenommen, das Spielfeld mit der Leichtigkeit eines Sonntagsspaziergängers zu durchmessen. Die Abwehr stand mal wieder auf der Seife, was im Fußballjargon so viel bedeutet wie: alle gleichzeitig auf dem falschen Fuß erwischt. Vier Stück kassiert, keiner geschossen. Rein rechnerisch wäre das Spiel also eine klare Sache, würde man die mathematische Logik nicht durch die Fußballrealität ersetzen, in der null Tore zu null Punkte führen, was in der Endabrechnung ungefähr die sportliche Variante von "wir haben uns bemüht" ist.
Besonders rührend ist die Idee, das 0:2 zur Pause als Erfolg zu verkaufen. Man hat den Rückstand "in die Pause konsolidiert", wie es heißt. Eine schöne Wortschöpfung. Konsolidieren kennt man sonst aus dem Konzern-Reporting, wenn die Bilanzsumme bereinigt wird und der Aktionär trotzdem leer ausgeht. So ähnlich lief es auch hier. Die zweite Hälfte begann mit "viel Elan", also mit einer Mischung aus frischem Tatendrang und der festen Überzeugung, dass ein Schuss aus der Distanz, der in den Händen des gegnerischen Tormanns landet, den Spielverlauf nachhaltig verändern könnte.
Der Coach, ein Mann mit dem Vornamen Mario und dem Nachnamen Hieblinger, hat offenbar in der Pause Worte gesprochen, die an die Mannschaft gerichtet waren und die Sätze enthielten wie "Abhaken und gas geben", was ungefähr so wirkt, als würde man nach einem Hausbrand dazu raten, den Schornstein zu putzen. Aber gut. Solche Phrasen gehören dazu. Sie sind das Salz in der Suppe der österreichischen Amateurfußball-Lyrik, gewürzt mit einem Schuss Selbsttäuschung, der einem in den Hauben der Linzer Gastronomie wohl kaum serviert würde.
Was bleibt, ist eine Auswärtsniederlage, die man mit hängenden Köpfen in die Kabine trägt. Hängende Köpfe sind übrigens das universelle Symbol dafür, dass man gleichzeitig traurig und überrascht ist, obwohl die Niederlage in etwa so überraschend kam wie ein Sonnenbrand im August. Am Freitag geht es gegen Union Naarn, und dann heißt es wieder: "Abhaken und gas geben." Was für ein Leben. Man kassiert, man hakt ab, man gibt Gas. Eine herrliche Endlosschleife, vergleichbar mit dem Hamsterrad im Käfig, nur dass der Hamster noch weiß, wohin er will.
Blickt man auf das große Ganze, fällt auf, dass diese Elf eine bemerkenswerte Eigenschaft besitzt: die Fähigkeit, trotz vier Gegentoren die eigene Leistung als kollektiven Goalgetter-Traum zu beschreiben. Das ist eine Qualität, die weit über den Fußball hinausreicht. Politiker können das, Manager können das, und offenbar auch Spieler der SC Marchtrenk, die nach einer 0:4-Niederlage gegen Linz Amateure mit dem Brustton der Überzeugung erklären, dass sie alle Goalgetterqualität haben. Man darf gespannt sein, wann diese Qualität endlich auch zu Toren führt. Vielleicht am Freitag. Vielleicht auch nicht. Hauptsache, man hat sie.