Es gibt Geraete, die das Leben verbessern wollen, und es gibt Geraete, die das Leben nur deshalb verlaengern, weil man sie ab und zu betrachtet, statt etwas wirklich Gefaehrliches zu tun. Die neue Huawei Watch GT 7 Pro gehoert zur zweiten Kategorie. Sie sitzt am Handgelenk, vibriert vorbildlich, misst alles, was sich messen laesst, und erinnert an Aufrufe, die man vorher auch ohne sie ignoriert hat. Endlich eine Uhr, die einem das schlechte Gewissen so praezise liefert wie das Mittagessen beim Lieferando.
Wer schon immer das Gefuehl hatte, sein Puls sei zu Privatbesitz, um ihn mit einer chinesischen Cloud zu teilen, bekommt nun die perfekte Geraet-Klasse dafuer. Die Uhr speichert fleissig jeden Herzschlag, jeden Sprint, jeden vermeintlichen Tiefschlaf und jede Stufe, die man eigentlich nur genommen hat, weil der Aufzug wieder mal defekt war. Aus diesen Daten entsteht dann ein Bericht, der klingt wie ein Pruefungsergebnis. Man ist entweder zu wenig gegangen, zu viel gesessen oder hat gemaess der optimistischen Auswertung die Nacht zwar geschlafen, aber offensichtlich falsch.
Dabei ist das eigentliche Verkaufsargument gar nicht die Technik, sondern die Batterie. Ganze zwei Wochen soll sie durchhalten, was in etwa jener Zeitspanne entspricht, in der sich der Besitzer nach dem Kauf noch dafuer interessiert, was das Geraet eigentlich alles kann. Danach funktioniert die Uhr zwar weiter, aber nur noch als teurer Wecker mit Armband. Wer hier von Nachhaltigkeit spricht, hat immerhin recht: Man kauert auf Dauer mit einem Geraet am Arm, das mehr ueber einen weiss als der Hausarzt, aber dafuer deutlich weniger zuhort.
Natuerlich gibt es auch Sportmodi. Vermutlich mehr, als es Sportarten gibt, die in einem oesterreichischen Durchschnittshaushalt tatsaechlich betrieben werden. Rudern, Skifahren, Triathlon, Golf, Freediving, irgendwann vermutlich auch Minigolf mit mentaler Auswertung. Man stelle sich nur vor, wie ein Hobbyradler in der Wachau sein Geraet fragt, ob diese kleine Erhebung da vorne schon als Berg zaehle. Die Uhr antwortet hoeflich, aber streng. Das ist das Schoenste daran. Endlich nimmt einen jemand ernst, naemlich ein Algorithmus, der im Hintergrund chinesische Server anfunkt.
Der groesste Fortschritt der Uhr liegt ohnehin nicht in Sensoren, sondern in der Selbstueberwindung des Konsumenten. Wer sich so ein Geraet kauft, hat den inneren Schweinehund bereits bezahlt, also gleich noch einen Fitnessvertrag obendrauf, womoeglich eine neue Hose und zumindest den Vorsatz, morgen wirklich aufzustehen, wenn das Armband wieder summt. In Wahrheit ist die Uhr also das, was die Werbung schon immer versprochen hat: ein Lifestyleprodukt fuer Menschen, die ihren Lebensstil bis dato vor allem in der U-Bahn gepflegt haben.
Besonders charmant ist die Vorstellung, dass die meisten Nutzer nach drei Wochen ohnehin wieder das Standardarmband bevorzugen, weil sie der Meinung sind, ein Handgelenk habe schliesslich auch ohne Vibrationsalarm ein Recht auf Ruhe. Wer jetzt trotzdem zugreift, darf sich gluecklich schaetzen. Er hat nicht nur eine Uhr, sondern auch gleich ein Argument fuer das naechste Familientreffen. Tante Erni wird fragen, ob das Ding auch den Blutdruck misst, Onkel Franz wird behaupten, so etwas habe er schon 1987 am Handgelenk gehabt, nur mit echten Zeigern, und die Kinder werden das Geraet fragen, wie man damit telefoniert. So sieht glueckliche Familienzeit im Jahr des Herrn zweitausendirgendwann aus. Man sitzt gemeinsam am Tisch und wird von einem Algorithmus gemaessregelt, weil man zu lange sitzt.