Es gibt Menschen, die betreten einen Raum und alle wissen sofort: hier kommt jemand, der mit einem Schneebesen mehr Staat macht als andere mit drei Gesetzestexten und einer Powerpoint-Folie. Norbert Filipitsch ist so ein Mensch. Fünfzigdrei Jahre alt, geboren in einer Stadt, die so klein ist, dass selbst der Hund des Bischofs dort Stammgast ist, und jetzt kehrt er zurück. Nicht mit Weihrauch, nicht mit Weihwasser, sondern mit einer unmissverständlichen Ansage: Ich übernehme die Dompfarre und die Caritas, und zwar gleichzeitig, weil offenbar jemand in der Diözese der Meinung war, ein Vollzeitpfarrer sei noch lange nicht ausgelastet genug.
Die Logik dahinter erinnert an jene Familienfeiern, bei denen die Tante gleichzeitig Schnitzel braten, die Kinder hüten und das Geburtstagslied dirigieren will. Am Ende weint jemand, meistens das Schnitzel. Aber hier weint vermutlich zuerst die Caritas-Belegschaft, denn wenn ein Mann, der Chemie, Mathematik, Physik, Biochemie und Theologie studiert hat, in einer karitativen Organisation den Kochlöffel schwingt, dann darf man sich auf ordentlich umgerührte Suppe freuen. Hoffentlich ist sie wenigstens gewürzt.
Man muss sich das einmal vorstellen. Da sitzt ein Pfarrer vor der Kamera, palavert über einen Podcast namens Das tägliche Brot, und alle nicken andächtig, als hätte er gerade das Abendmahl neu erfunden. Kulinarik, persönliche Begegnungen, gesellschaftliche Themen, so steht es geschrieben, wahrscheinlich in genau derselben Reihenfolge, in der ein burgenländischer Mensch diese auch tatsächlich wichtig findet. Also Brot zuerst, Gesellschaft zweitens, persönliche Begegnungen drittens, weil ohne Brot bekanntlich nichts geht, schon gar nicht die Kirchensteuer.
Und jetzt die Doppelbaustelle. Dompfarre plus Caritas. Als wäre das ein Einfamilienhaus mit Garten, das man mal eben im Vorbeigehen renoviert. Man stelle sich die erste Sitzung vor, irgendein Caritas-Mitarbeiter hebt schüchtern die Hand und fragt nach dem Budget für die Flüchtlingshilfe. Pfarrer Filipitsch schaut ihn an, hebt langsam den Schneebesen und sagt vermutlich etwas wie: Lieber Bruder, wir rühren einmal alles kräftig durch, dann sehen wir weiter. Die Mitarbeiter nicken, manche aus Höflichkeit, manche aus blanker Angst, weil sie ahnen, dass hier einer am Werk ist, der selbst die Buchhaltung mit einem Augenzwinkern und einer Prise Salz erklärt.
Sein bisheriger Lebenslauf liest sich wie die Einkaufsliste eines besonders ehrgeizigen Klosterkochs. Chemie für die Sauce, Mathematik für die Portionierung, Physik für die Garzeit, Biochemie für die Verdauung der Gläubigen, Theologie für das Gebet danach, und dann noch Kommunikative Theologie in Innsbruck, also quasi der Mehlschwitze-Lehrgang für Fortgeschrittene. Wer bei dieser Kombination nicht wenigstens einen Verlag vermutet, der die gesammelten Werke als spirituelles Kochbuch herausbringen will, hat den österreichischen Provinzhimmel nicht verstanden.
Am 1. September ist es also soweit. Ein neuer Dompfarrer, ein neuer Caritas-Direktor, ein neuer Schneebesen. Man darf gespannt sein, ob die Caritas-Mitarbeiter ab dann in der Kantine mit Weihrauch bedient werden, ob die Sonntagspredigt mit dem Hinweis endet, dass die Kollekte diesmal als Rezeptzutat gedacht ist, und ob der Podcast bald in einer eigenen Show mündet, in der Filipitsch Diözesanbeamte live zu Nockerln verarbeitet. Falls nicht, muss man sich eben bis zur nächsten Personalentscheidung gedulden. Die kommt bestimmt, vermutlich mit einem Servierwagen und einer großen Kelle.