Wenn das mal keine beruhigende Diagnose ist. Da grassiert mal wieder eine unappetitliche Seuche, da wabern wieder Monster durch die Gassen, und das ganze Elend wird selbstverständlich von einem einzigen Mann mit ordentlich Blutwurst im Blickfeld gelöst. Mit Humor, versteht sich. Weil nichts so zuverlässig gegen eine ausufernde Katastrophe hilft wie ein gut platzter Witz im Angesicht des Verwesens.
Es ist im Grunde die klassische österreichische Lösung in Videospielform: Man wartet, bis alles unbeherrschbar wird, schickt einen einzelnen, leicht überkandidelten Beamten mit gezogenem Schwert los, und hofft, dass die Verwaltung der Stadt anschließend ausreichend demoralisiert ist, um die Heldenbürgermeister-Wahl kampflos zu gewinnen. In diesem Fall heißt der Auserwählte Musashi, stammt aus der Samurai-Abteilung des Hauses Capcom und teilt mit dem Kollegen aus dem Hause Resident Evil vor allem die beruhigende Erkenntnis, dass jede Pandemie letztlich nur ein Produktlebenszyklus ist.
Capcom selbst ist die wohl größte Seuchenbehörde der Branche. Kaum ein anderes Haus liefert verlässlicher neue Ausbrüche im Dreijahrestakt, stets garniert mit internationaler Unsterblichkeit und schicker Titelmelodie. Die wirklich wichtige Innovation ist allerdings, dass man hier den untoten Wahnsinn endlich offline erledigt. Keine Zwischenberichte, keine Pressekonferenzen, kein Krisenstab, der sich alle zwei Stunden mit neuen Schutzmaßnahmen selbst überholt. Nur Stahl, Wut und ein sehr schöner Abgang.
Dass Musashi ausgerechnet mit Humor glänzt, ist die Pointe, die sich die Marketingabteilung vermutlich am Frühstückstisch mit einem Auge zugedrückt hat. Stell dir vor, du stehst in einer Stadt, in der die Infrastruktur längst von Monstern besiedelt ist, du hast einhundert Jahre politische Erfahrung im Umgang mit Eskalation, und dein einziger Mitarbeiter kommt dir mit einem lockeren Spruch über das Wetter. Das ist ungefähr so, als würde der Innenminister eine Pressekonferenz mit dem Hinweis eröffnen, dass die Lage ernst, aber das Buffet hervorragend sei.
Die eigentliche Heldentat besteht freilich darin, dass man mit dieser Mischung aus Pandemie, Stahl und Schmäh durchgehend gut unterhalten wird. Die Monster grunzen, Musashi schwingt, und das Publikum darf den ganzen Abend lang so tun, als gäbe es zwischen durchgeknallter Behördenrhetorik und unkontrolliertem Monsterwachstum keinen nennenswerten Unterschied. Womit wir auch schon beim Mehrwert wären: Endlich weiß die Zunft wieder, wofür Schwertsammlungen gut sind. Nicht für die Hausordnung, nicht für das Sicherheitskonzept der Bezirkshauptmannschaft, sondern für das, wofür die Behörde in solchen Lagen ohnehin kein Budget hat. Für das schnelle, saubere Ende.
Und sollte das alles zu gewalttätig wirken, darf man sich jederzeit mit dem Gedanken trösten, dass die wirkliche Pandemie im wahren Leben in einem Anrufbeantworter endet, der eine Warteschleife mit Berieselungsmusik abspielt, bis der Bürger irgendwann aufgibt. Hier wenigstens ist der Ablauf übersichtlich: Stadt erkennt Monster, Monster erkennt Stadt nicht, weil Stadt schon leer, Samurai erkennt Problem, Samurai löst Problem, Stadt ist geräumt, Schnitt, Abspann, Applaus. Das ist Verwaltungs-Effizienz, wie sie in keinem Amtsblatt steht.
Wenn das kein Modell für die Gegenwart ist, dann weiß ich auch nicht. Man nehme eine ausgewachsene Krise, eine schnittige Waffe, ein gewinnendes Lächeln, und fertig ist die Laube. Die Seuche dankt, die Monster grunzen artig, und die einzige Frage, die bleibt, ist, warum man diesen Musashi nicht längst in den Katastrophenschutz berufen hat.