Man darf sich das einmal vorstellen. Da fahren zwei Österreicher in die Schweiz, weil offenbar selbst die heimischen Greens für ihren Ehrgeiz nicht mehr tragbar sind, und liefern prompt eine Runde ab, die in den Annalen der Provinzsportberichterstattung fortan als „das Ereignis“ firmieren wird. Sieben unter Par, kein einziges Bogey, dafür sieben kleine, piepsende Birdies, die offenbar freiwillig ins Netz spazierten. Das klingt weniger nach Sport und mehr nach einer kollektiven Demutsbekundung der Golfbälle gegenüber der österreichischen Technik.
Der zweite Sportler im Bunde nahm das Leben offenbar etwas lockerer. Ein Bogey zu Beginn, das schon, aber dann sechs Birdies hinterher und ein Adler auf Loch 14, also ein Eagle, weil wir ja in der Schweiz sind und da wird bekanntlich alles ein bisschen größer, sauberer und vor allem teurer. Das Bogey war praktisch vergessen, kaum hatte es sein Häufchen auf dem Grün hinterlassen, da wurde es schon von einem Adler vertrieben, der vermutlich der schnellste Mitarbeiter ist, den der Schweizer Platzwart je gesehen hat.
Natürlich drängt sich sofort die Frage auf, was diese Männer eigentlich essen. Ist es das Bergheu? Ist es die besondere Schweizer Höhenluft, die das Kleinhirn so vitalisiert, dass plötzlich jeder Drive sitzt und jedes Eisen gefühlt von einer himmlischen Puttmaschine gelenkt wird? Oder ist es schlicht die Wochenendlaune, gepaart mit der Gewissheit, dass daheim ohnehin niemand zuguckt, weil alle entweder beim Wandern oder beim Jammern über die Semmelpreise sind? Man weiß es nicht, aber man darf spekulieren.
Was man weiß, ist, dass solche Ergebnisse in der heimischen Sportpresse sofort eine Lawine lostreten. Plötzlich werden Vergleichstabellen aus dem Archiv gekramt, es werden Trainingsmethoden analysiert, es wird über Schlägerlängen philosophiert und über die Frage, ob ein tieferer Griff den Erfolg erklärt. Die Leserschaft, die ohnehin nur Bahnhof versteht, nickt tapfer und sagt Sätze wie „der hat ja eine sensationelle Technik“, während sie insgeheim an die Kantine denkt. So funktioniert das, seit es Bleistifte und Anzeigetafeln gibt.
Die Pointe dieser ganzen Geschichte ist natürlich nicht das Ergebnis selbst, sondern das, was danach passiert. Die heimische Sportberichterstattung wird das Ereignis derart aufblasen, dass am Ende nicht zwei Golfer, sondern ein ganzer Volksstamm namens „die österreichische Golfjugend“ gemeistert hat. Es wird Sponsoren geben, die morgen schon Trikots drucken lassen, und einen Bürgermeister, der eine Urkunde im A3-Rahmen bestellt, obwohl der Bürgermeister in einer golfspielenden Gemeinde wahrscheinlich noch nie einen Schläger in der Hand hatte. Die Schweizer werden huldvoll lächeln, die österreichische Delegation wird kollektiv die Brust rausstrecken, und auf dem Rückflug gibt es dann Kaffee und Kipferl, weil das ist nämlich Kultur.
Am Ende bleibt festzuhalten, dass es sich um eine Runde handelt, die in etwa so unerwartet kam wie ein Sonnenbrand im August, aber natürlich nur, weil man das Wetter in den Bergen nie unterschätzen darf. Wer jetzt denkt, das sei übertrieben, hat die letzten drei Wochen Nachrichten nicht gelesen, in denen jedes dritte Bundesland eine Medaille bei einem Wettbewerb feierte, den kein Mensch kannte. So ist das eben, wenn man in einem Land lebt, in dem die Sportförderung gleichzeitig auch die psychologische Grundversorgung übernimmt, und sei es nur, um den alltäglichen Wahnsinn ein paar Stunden lang mit einem schönen Score zu übertünchen.