Endlich hat es die Wiener Verwaltung geschafft, dem Sport eine würdevolle Aufgabe zuzuweisen, die wirklich zu seinem Ansehen passt: Pause. Konkret wird eine Halle, in der zwei Jahrzehnte lang geklettert, geturnt und geschwitzt wurde, nicht etwa abgerissen, sondern zerlegt, verpackt und in den Bezirk Mistelbach speditiert. Dort, wo einst Sparvereine um die Wurst pokerten, darf sie nun das tun, was sie offenbar im Innersten schon immer war: ein Zwischenlager.
Man stelle sich die Szene vor. Ein Bagger rückt an, Stahlträger werden fein säuberlich demontiert, 165 Tonnen Blech wandern auf Tieflader, und irgendjemand erklärt feierlich, das sei ein verwertungsorientierter Rückbau. Klingt nach dem dünnen Versuch, eine ganz normale Mülldeponie in eine Erfolgsgeschichte zu verpacken. Als hätte jemand den Mistelbacher Dorfkrug an, ob er auch ein Thermenresort werden möchte, nur weil der Boden schon nach Schweiß riecht.
In Wien fehlt die Halle natürlich, weil dort ein Fernbus-Terminal entstehen soll, also eine Anlage, die Menschen in genau jene niederösterreichischen Regionen bringt, aus denen sie ursprünglich geflohen sind, um in Wien zu studieren. Damit das Terminal irgendwann einmal Buslene, die ihren letzten Bus nach Laa verpasst haben, mit Würde aufnehmen kann, müssen vorher ein paar Sportflächen dran glauben. Logisch.
Besonders rührend ist die Begründung für die Übersiedlung. Man habe das Gebäude möglichst zerstörungsfrei demontiert, heißt es, damit man es später erneut verwenden könne. Das klingt verdächtig nach einem Job, den zu Hause der Hausmeister macht, wenn er beim Schulausflug heimlich die Turnmatten verkauft. Nur dass diesmal eine GmbH den Zaubertrick aufführt, die so klingt, als hätte man den Namen aus dem Beipackzettel eines Schlafmittels gebaut.
In Kettlasbrunn angekommen, beginnt die Halle ihr neues Leben. Aus Sporthalle wird Schrotthalle. Ab September darf sie unterschiedliche Abfälle beherbergen, also jene Materialien, die zuvor noch mit anständiger Vitamine ausgestattet waren, ehe ihnen das sinnlose Stadtleben eingeflößt wurde. Langfristig soll in einem Teil der Halle sogar eine Entmetallisierungsanlage entstehen, was übersetzt in etwa so viel heißt wie: Hier wird in Zukunft jener Schrott aussortiert, den die Wiener Sportler beim Aufwärmen hinterlassen haben.
Das wirklich Große an der Geschichte ist allerdings die Geste. Wien zeigt sich nachhaltig, Niederösterreich zeigt sich großzügig, und die Halle zeigt sich am Ende als das, was sie immer war: eine Location, die sich für alles hergibt. Nur eben nicht mehr für Kniebeugen. Wer in Kettlasbrunn künftig mit dem Hund Gassi geht und sein Tier ausgerechnet an der ehemaligen Kletterwand sein Bein heben sieht, darf sich geehrt fühlen. Hier wurde Wiener Sportgeschichte entsorgt, verpackt und feierlich ins Weinviertel überführt.
Am schönsten ist die Vorstellung, dass irgendjemand irgendwann einmal mit feuchten Augen sagen wird, das sei eine Erfolgsgeschichte der Kreislaufwirtschaft. Schließlich wurde nichts verschwendet, nur die Sportler. Und wer Sport treiben will, kann das jetzt auch ganz umweltfreundlich tun, nämlich zu Hause, mit dem eigenen Sofa als Trainingsgerät. Die Halle in Kettlasbrunn bedankt sich höflich, indem sie sich ab sofort nicht mehr bewegt und einfach nur noch dasitzt, was sie am besten kann: Dinge aufbewahren, die niemand mehr braucht.