Am Donnerstagvormittag schlug die kollektive Wetterkompetenz Österreichs Purzelbäume, weil irgendwo zwischen München und dem Murtal ein Haufen warmer Luft offenbar beschlossen hat, sich wie ein enttäuschter Bürokrat zu benehmen: zuerst unsichtbar, dann laut, am Ende mit Hagel. Superzelle, sagen die einen. Wetterlaune, sagen die anderen. Und der durchschnittliche Steirer sagt dazu: Schaun wir mal, dann werdn wir schon sehen, weil vorher pflanzt man eh nix an.
In Graz wurde unterdessen Krisensitzung einberufen, nicht wegen der möglichen Superzelle, sondern wegen der Sprachverwirrung. Ein Sprecher erklärte, das Wort Superzelle sei ein Fachbegriff, der weder mit Superkräften noch mit Sondereinsatzkommando zu tun habe, was die anwesenden Mandatare kurz irritierte, weil man die Begriffe Superzelle und Sonderkommission bisher gerne im selben Satz verwendet hatte, wenn man die Wahlkampf-Facebook-Gruppe der Konkurrenz meinte. Man einigte sich darauf, das Phänomen ab sofort Superwetterphänomen Plus zu nennen, weil jeder weiß, dass ein Plus überall Vertrauen schafft, von der Mobilfunkrechnung bis zur Wetterwarnung.
Im Bezirk Leibnitz bereitet sich die Bevölkerung traditionell vor, indem man den Traktor gegen den Hagel schickt, den Nachbarn anruft, um zu fragen, ob es bei ihm schon regnet, und anschließend die Wetter-App so oft aktualisiert, bis das Handy heißer ist als die Luft über dem Asphalt. Die Landwirtschaftskammer empfiehlt, junge Pflanzen mit leeren Weinkisten zu schützen, weil diese einerseits dekorativ wirken und andererseits den zukünftigen Weißwein symbolisch vor Schaden bewahren. Auch der Dorfhund Hektor hat sich in Stellung gebracht und bellt konsequent nach Westen, was je nach Lesart entweder meteorologisch relevanter oder zumindest unterhaltsamer ist als die übliche Pressekonferenz.
Weil Superzellen in Österreich grundsätzlich nicht vorgesehen sind, hat das Innenministerium präventiv eine Hotline eingerichtet, bei der man zwischen den Menüpunkten drücken muss, ob man sich vor Wind, vor Regen oder vor der eigenen Unwissenheit schützen möchte. Die ersten Anrufer fragten höflich, ob es auch eine Auswahl für Sonnenschein gebe, weil der sei hier zuletzt ausgefallen, was die Telefonistin mit dem Hinweis quittierte, man arbeite mit Hochdruck an einer kostenpflichtigen Premium-Sonne. Ein Sprecher betonte, es handle sich nicht um eine neue Gebühr, sondern um eine klimatische Wertschöpfungsabgabe, was juristisch dasselbe ist, aber klingt nach Zukunft.
Die Meteorologen selbst bleiben gelassen und betonen, eine Superzelle sei nur eine mögliche Wetter-Variante, ähnlich wie ein Steiermark-Schnitzel eine mögliche Ess-Variante ist, theoretisch jedenfalls. In der Praxis, so heißt es aus den Kaffeehäusern, entscheidet der Wirt, und in der Atmosphäre entscheidet die Luftfeuchtigkeit, wer das Kommando über den Himmel bekommt. Man darf also gespannt sein, ob am Freitag tatsächlich ein rotierender Wolkenturm über das Land zieht oder ob die Steiermark stattdessen das altbewährte Programm fährt: leichter Wind, viel Meinung, keine Schäden.
Sollte die Superzelle tatsächlich kommen, plant die Landesregierung bereits eine feierliche Nachbereitung mit anschließendem Fototermin, auf dem man gemeinsam mit den geschädigten Landwirten vor zertrümmerten Apfelbäumen posiert, weil Krise in Österreich vor allem eine Bühne ist. Sollte sie nicht kommen, wird man die Warnung als Beweis für die eigene Vorsicht feiern, weil beides im Endeffekt dieselbe mediale Verwertung ergibt. So oder so bleibt der Bevölkerung nur der trockene Hinweis: Fenster zu, Auto weg, Hund rein, App aktualisieren, durchatmen, weiterleben. Das Wetter war schon immer das letzte ehrliche Medium Österreichs, weil es noch nie Rücksicht auf Wählergruppen, Tourismus oder die nächste Wahlplakatfläche genommen hat.