Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Statistik die Realitaet einholt. Da sitzt halb Oesterreich ohnehin schon seit Jahren mit einem Fuss auf der Bremse und dem anderen im Einkaufswagen, und jetzt bescheinigt die Statistik Austria auch noch hochoffiziell, dass Vollzeit ein Relikt aus der Monarchie ist. Die Zahl der Teilzeitbeschaeftigten steigt, als gaebe es dafuer Punkte im Buergerpass, und die Vollzeitmenschen muessen sich langsam fragen, ob sie noch zum Establishment gehoeren oder schon zum Museumsverein.
Besonders erstaunlich ist die Kategorie Maenner. Auch unter ihnen greift die Teilzeit um sich, allerdings in einer sehr oesterreichischen Variante: Man nennt es dann Flexibilitaet, Remote Work oder im Extremfall Hund. Wer nachmittags noch im Buero sitzt, der wird neuerdings gefragt, ob er noch eine Exklusivbetreuung fuer den Hamster brauche. Die Work Life Balance ist erreicht, sobald das Leben gewinnt. Im Extremfall heisst das: Dienstag ist Spieltag, Mittwoch Behoerdenberg, Donnerstag Erholung vom langen Mittwoch.
Die Wirtschaftskammer natuerlich begeistert. Mehr Teilzeit bedeute mehr Dynamik, mehr Wahlfreiheit und vor allem mehr Leute, die am Nachmittag noch kurz in der Boutique vorbeischauen koennen. Handel, Friseur und Kosmetikbranche feiern die neue Statistik wie einen Staatsfeiertag, waehrend die Industrie leise weint und fragt, wer eigentlich noch die Schrauben anzieht, wenn alle anderen beim Schraubendoktor sind.
In den Buerohaeusern des Landes hat derweil ein groteskes Versteckspiel begonnen. Wer morgens zu frueh erscheint, gilt als Verdachtsfall. Wer abends noch brennt, hat persoenliche Probleme. Der neue Code lautet: Anwesenheit um neun, Verschwinden um fuenf, dazwischen ein Power Napping auf dem Meeting. Wer konsequent voll arbeitet, wird zum Projektleiter ohne Team erklaert und darf zur Strafe Sitzungsprotokolle fuehren.
Die Gewerkschaft sieht das natuerlich anders und fordert sofort eine faire Aufteilung der unbezahlten Ueberstunden auf mehr Koepfe. Der Vorschlag, jeden Vollzeitjob in zwei Halbtagsjobs zu zerteilen und das Ergebnis dann als Erfolg zu verkaufen, klingt zwar wie eine Erfindung aus dem Kammerchen einer sehr mueden Ministerialratsrunde, wird aber bereits ernsthaft diskutiert. In den Kantinen gilt ab sofort der Satz Wer noch hetzt hat den Trend nicht verstanden als Trinkspruch.
Am Ende bleibt der oesterreichische Vollzeitmensch das, was er schon immer war: ein leicht verstaubter Idealist mit Hosentraeger und schlechtem Gewissen, weil er die Kinder ja angeblich sieht. Die Teilzeitmenschen geniessen hingegen die Fruechte einer Statistik, die ihnen bescheinigt, was sie ohnehin schon wussten. Man muss nicht voll da sein, um ganz vorne zu stehen. Man muss nur wissen, wann man geht.