Man stelle sich vor: Da sitzen in Wien Menschen mit Doktortitel und Pensionsanspruch zusammen, falten ein Papier zusammen und schicken es in ein Ministerium. Auf dem Papier steht ungefähr das, was auf jedem Papier steht, das je in ein Ministerium geschickt wurde, nämlich dass man hofft, dass alles gut wird, aber falls nicht, dann eben nicht gut. Es ist die ewig gleiche Choreografie des österreichischen öffentlichen Lebens. Man bittet höflich, droht höflich, und schlägt am Ende höflich die Tür hinter sich zu, aber nur so weit, dass man sie beim nächsten Termin wieder aufstoßen kann, ohne dass das Türscharnier quietscht.
Besonders rührend ist das Wort Hoffnung, das in dem Schreiben vermutlich in genau der Schriftgröße auftaucht, in der man es auch auf einen Grabstein setzen würde, wenn man die Hoffnung selbst für tot erklären müsste. Hoffnung ist in der Wissenschaftspolitik jener Rohstoff, der seit Jahren knapper ist als frische Hörsaaltechnik, funktionierende WLAN-Router und ein Kaffee, der nicht aus dem Automaten kommt. Die Unis geben also zu Protokoll, dass sie Grund zur Hoffnung haben. Das ist in etwa so, als würde der Wetterbericht erklären, man habe Grund zur Hoffnung auf Sonnenschein, und draußen schneit es trotzdem.
Die uniko, jene Konferenz, deren Existenz die meisten Studierenden erst bemerken, wenn die Semestergebühren steigen oder die Bibliothek am Sonntag schließt, hat also Position bezogen. Position heißt in diesem Land so viel wie: Wir haben uns hingesetzt, die Beine übereinandergeschlagen und einen Satz formuliert, der so vorsichtig ist, dass ihn jeder Minister unterschreiben könnte, ohne dass es wehtut. Sollte es bei der sogenannten fehlgeleiteten Sparpolitik bleiben, seien weitere Proteste programmiert. Programmieren ist im Bildungsbereich ohnehin ein gefährliches Wort, weil die meisten Unis bei der Digitalisierung ohnehin noch in der Phase sind, in der man froh ist, wenn der Beamer das Passwort akzeptiert.
Die Proteste selbst werden dann vermutlich nach bewährtem Muster ablaufen. Man trifft sich vor dem Ministerium, skandiert kluge Sätze, lässt sich von der Polizei freundlich wieder nach Hause schicken, geht in ein Kaffeehaus und erklärt einander, dass man jetzt wirklich etwas verändert habe. Anschließend werden Presseaussendungen verschickt, die so lang sind, dass sie kein Mensch liest, und sobald das Budget um ein halbes Prozent erhöht wird, gibt es eine Pressekonferenz, bei der alle so tun, als hätten sie den Sieg errungen, den die Vorgängerregierung eigentlich schon eingefahren hat.
Was die Sache wirklich absurd macht, ist das Timing. Man verhandelt über die Periode 2028 bis 2030, also über eine Zukunft, die so weit weg ist, dass man sie getrost auch 2040 nennen könnte, und tut so, als wäre das ein konkreter Budgetposten. Das ist, als würde man jetzt schon den Urlaub für Ostern 2031 buchen und sich beschweren, dass die Pension noch nicht passt. Aber in Österreich ist es Tradition, Probleme, die erst entstehen werden, schon jetzt so zu behandeln, als wären sie ein historisches Unrecht, das nur durch eine eigene Gedenkveranstaltung gewürdigt werden kann.
Am Ende bleibt die wunderbare Tatsache, dass alle Seiten gleichzeitig drohen und bitten. Das Ministerium droht mit dem Sparen, die Unis drohen mit dem Demonstrieren, die Studierenden drohen mit dem Streiken, und die Professoren drohen damit, weiterhin ihre Lehrverpflichtungen nur halb zu erfüllen, was ohnehin niemand merkt. Es ist ein stilles, höfliches Schaukeln, bei dem sich niemand wirklich bewegt, aber alle das Gefühl haben, sie hätten gerade Geschichte geschrieben. Hauptsache, es steht in einem Papier.