Es war einmal eine Künstliche Intelligenz, die konnte alles. Sie schrieb Gedichte, Steuererklärungen, Entschuldigungen an die Schwiegermutter und gelegentlich einen Roman in 14 Sprachen. Nur eines brachte sie nicht fertig, und das war genau das, was ihr Name versprach: ein Quäntchen gesunden Hausverstand. Während die Republik in Windeseile digitale Souveränität zwischen zwei Wahlperioden unterbrachte, stellten ausgerechnet jene zwei Herrschaften, die man gewöhnlich nicht zusammen auf ein Plakat bekommt, fest, dass die Maschine Unsinn verzapft. Der eine residiert in Rom und trägt ein weißes Gewand, der andere trägt gern Pullover und sammelt Aktien. Beide, jeder auf seine Art, knöpften sich den Chat-Roboter vor, als hätte er beim Bergfest den letzten Teller Kuchen genommen.
In Tirol, wo ohnehin jeder weiß, dass das letzte Wort traditionell dem Pfarrer oder dem Bürgermeister gebührt, kam die Warnung aus Rom und Redmond gerade recht. Der zuständige Landesrat – er möge in den Annalen der Fantasie einen würdigen Platz finden – berief postwendend einen Beirat für digitalen Hausverstand ein. Zwölf Mitglieder, zehn davon älter als das World Wide Web, treffen sich ab sofort monatlich in der Hofburg zu Innsbruck, sofern ein Parkplatz frei ist. Die Tagesordnung umfasst unter anderem die Frage, ob ein Chatbot, der erklärt, warum man am Sonntag nicht die Wäsche bügeln soll, als Religionslehrerersatz zulässig ist, oder doch eher unter das Lichtspielgesetz fällt.
Die Geschäftsordnung ist beeindruckend. Jede Antwort der Künstlichen Intelligenz, die im Lande Tirol verwendet wird, muss künftig einen Stempel tragen, eine fortlaufende Nummer und die Unterschrift eines beeideten Sachverständigen für mittelalterliche Logik. Wer ohne Stempel druckt, riskiert eine Verwaltungsstrafe in der Höhe eines mittleren Bergdorfetats. Das Geld fließt in einen Fonds, aus dem analoge Schreibgeräte angeschafft werden, also in Füllfeder, Tintenfass, Gänsekiel und, sollte das alles nichts nützen, in einen kräftigen Stoß Papier.
Natürlich hat auch die Wirtschaft ihre Hausaufgaben gemacht. In den heimischen Betrieben wurde ein neues Schild eingeführt: »Achtung, KI-gestützt«. Es hängt zwischen dem Rauchverbotsschild und dem Hinweis, dass die Toilette nur für Personal ist. Die Belegschaft atmet auf, denn ab sofort darf der Algorithmus die Ausreden erfinden, warum die Lieferung wieder einmal im Stau zwischen Kufstein und dem Arlberg steht. Die Gewerkschaft jubelt, weil eine Überstunde für das Erklären von Computerverstand unter das Arbeitszeitgesetz fällt und somit wenigstens ein paar Kröten in die Handkasse gespült werden.
Derweil geht das Leben weiter. Der Papst betet für mehr Demut, Bill Gates für mehr Datenschutz, und der Tiroler Landesrat verfasst ein Geleitwort für ein Buch mit dem Titel: »Wie ich meinen Laptop im Herbst 1994 besiegt habe«. Die künstliche Intelligenz lächelt artig und antwortet auf jede Frage mit dem Zusatz, dass alle Angaben ohne Gewähr seien und die Inquisition ein Relikt vergangener Zeiten. Vernunft, so lernt der Leser, ist keine Frage der Technik, sondern des Wirtshauses.