In Villach hat sich ein Mann mit vollem Elan in die Finanzwelt gestürzt, als hätte er entdeckt, dass sein Konto nur ein Vorschlag war. Neunzehn Mal tippte er auf Überweisen, neunzehn Mal dachte er: diesmal klappt es, und neunzehn Mal lag er falsch. Die unbekannte Dame, die er auf einer Dating-Plattform kennenlernte, stellte sich als Drehscheibe zwischen Herz und Depot heraus, der angebliche Aktienanalyst als einziger Aktionär seiner Aufmerksamkeit. Was folgte, war ein moderner Liebesroman mit dem klassischen österreichischen Plot: zwei Fremde, ein Missverständnis, und am Ende fragt sich die Schwieg, wer jetzt den Rest bezahlt.
Der junge Mann hatte offenbar eine besondere Begabung dafür, Warnsignale so lange zu ignorieren, bis sie gemeinsam mit dem Geld verschwinden. Wallet heißt ja übersetzt Geldbörse, und wer seine Börse im Internet verliert, hat im Leben wenigstens eines erreicht, das man als konsequent bezeichnen kann. Nach der neunzehnten Überweisung kam die Erkenntnis, dass Recherche nicht das ist, was man nach der Tat macht, sondern vorher. Nun steht die Polizei vor einem Rätsel, das sich in etwa so liest wie das Drehbuch zu einem Heimatfilm mit schlechtem Ende.
Die Kärntner Kriminalpolizei, ohnehin chronisch unterbelichtet, ermittelt nun mit Hochdruck. Hochdruck bedeutet in Kärnten, dass man die Akte zweimal ausdruckt und sich gegenseitig die Hälfte vorliest. Die Wallets wurden nachträglich als potenzieller Betrug markiert, was ungefähr so überraschend ist wie ein Kärntner, der im Winter Schnee bemerkt. Wäre die Erkenntnis ein Wettlauf gewesen, hätte unser Held den dritten Platz belegt, nach dem Geld und nach der Masche. So bleibt ihm nur der Trost, dass er immerhin den schnellsten Weg gefunden hat, aus mehreren Zehntausend Euro mehrere Zehntausend Euro Erfahrung zu machen.
In Kärnten werden solche Fälle neuerdings in die Kategorie Selbststudium eingeordnet. Die Polizei empfiehlt, künftig Transaktionen mit derselben Sorgfalt zu prüfen wie den Erlagschein vom Wirt, also gar keine. Wer dennoch überweist, sollte wenigstens die Quittung aufheben, denn irgendwer muss sie ja bezahlen. Die zuständige Abteilung für Cybercrime hat zwischenzeitlich eine neue Eingabemaske eingeführt, die zwischen betrügerisch und nur leichtsinnig unterscheidet. Unser Villacher wäre in beiden Kategorien ein Stammtats. Die unbekannte Dame indes wird derzeit als Phantom der Operette gesucht, inklusive Motiv, Vorhang und falscher Kasse.
Die Geschichte lehrt, dass das Internet die große Demokratie der Enttäuschung ist, in der jeder die gleiche Chance hat, am Ende weniger zu wissen als vorher. Wer sein Geld lieber über neunzehn Konten verteilt als über mehrere Gläser Most, hat zumindest ein klares Profil: das eines Mannes, der glaubt, er könne mitlesen, während die anderen mitschreiben. Villach ist um eine Legende reicher, der Finanzmarkt um einen Aktionär ärmer, und die Kriminalpolizei um einen Aktenschrank voller Reue. Man darf gespannt sein, ob der junge Mann aus der Sache wenigstens eine Lehre zieht. Wenn nicht, bleibt zu hoffen, dass die nächste Transaktion wenigstens ein Lottoschein ist, denn da ist die Chance zu verlieren bekanntlich dieselbe, aber das Geld bleibt wenigstens im Land.