Man stelle sich vor: Ein Mensch steckt einen Samen in die Erde, gießt ihn nach bestem Wissen und Gewissen, betet ein wenig zum Wettergott und hofft auf das Beste. Und dann, ja dann, kommt der Sommer und macht, was er will. Der Bauer steht da, schaut in die ausgedörrte Erde und fragt sich, ob das jetzt Ackerbau oder Ackerlehrstück ist. Johann Winklhofer aus Viehhausen hat sich getraut, das auszusprechen, was sonst nur in Stammtischrunden zwischen drittem und viertem Bier fällt: Ohne Hilfe von oben wird das nichts mehr mit dem Gemüse.
Dabei klingt die Forderung so harmlos. Förderungen. Ein Wort, das in der österreichischen Politik ungefähr so vielseitig einsetzbar ist wie ein Schweizer Taschenmesser beim Camping. Man kann damit Ackerbauern besänftigen, Busfahrer bei Laune halten, Theaterhäuser vor dem Ruin bewahren und überhaupt jede Berufsgruppe, die laut genug schreit, in ein mildes, gleichmäßiges Licht öffentlicher Zuwendung tauchen. Förderungen sind das politische Baldrian für aufgeregte Bürger, nur dass Baldrian selten ein Aktenzeichen hat.
Jetzt also der Bauer. Natürlich. Wer hätte es gedacht. Wenn die Sonne zu lange scheint, jammern die Bauern. Wenn es zu viel regnet, jammern die Bauern. Wenn die EU eine Verordnung erlässt, die die Form von Karotten neu definiert, jammern die Bauern ebenfalls. Das ist gewissermaßen die zuverlässigste Konstante in einem Land, in dem selbst die Kaffeepausen von der Wirtschaftskammer zertifiziert werden müssten. Aber diesmal, so muss man fairerweise zugeben, haben sie nicht ganz unrecht. Wer sein Einkommen vom Himmel über dem Tennengau abhängig macht, lebt näher an der Wettervorhersage als am Bundesfinanzgesetz.
Die Pointe an der Sache ist allerdings die übliche österreichische Tragikkomödie. Der Bauer formuliert einen Wunsch, die Politik nickt verständnisvoll, nickt weiter, gründet eine Arbeitsgruppe, lädt Experten ein, holt eine zweite Arbeitsgruppe, die die erste Arbeitsgruppe beobachtet, und bestellt einen Endbericht. Wenn der dann vorliegt, ist entweder die Dürre vorbei oder der Bauer hat den Hof schon an einen Solarpark verpachtet. Beides ist in Salzburg vorgekommen, mindestens letzteres wird ernsthaft geprüft.
Wer jetzt glaubt, die Republik werde einfach Geld auf den Tisch legen, hat die politische Maschinerie unterschätzt. Förderungen werden in Österreich nicht ausgegeben, sondern beantragt. Anträge wiederum werden nicht bearbeitet, sondern in Schubladen einsortiert, wo sie zwischen den Konzepten für die nächste Verwaltungsreform und dem Aktenvermerk über die letzte Verwaltungsreform eine würdige letzte Ruhe finden. Wenn nach achtzehn Monaten doch ein Bescheid herausfällt, trägt er die Handschrift eines Sachbearbeiters, der mittlerweile in Pension ist und die Sache mit Humor nimmt.
Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob die Bauern Geld bekommen, sondern wer den Antrag zuerst druckreif formuliert bekommt. Die Kammer hat eine eigene Abteilung dafür. Die Landesregierung hat eine Taskforce, die Taskforce hat einen Lenkungsausschuss, der Lenkungsausschuss hat eine Geschäftsstelle, und die Geschäftsstelle hat einen Kaffee, der lauwarm ist. Dazwischen liegt der Bauer mit seinem ausgetrockneten Salatfeld und der vagen Hoffnung, dass irgendjemand in diesem Apparat den Stift schon angespitzt hat.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass der österreichische Bauer künftig nicht nur Pflanzen anbauen muss, sondern auch Geduld. Viel Geduld. Und Anträge. Vor allem Anträge. Am besten gleich mehrfach, mit Durchschlag, in dreifacher Ausfertigung und mit einem Begleitschreiben, das die Lage so dramatisch schildert, dass es in jedem Ministerium mindestens einen aufmerksamen Mitarbeiter zum Nicken bringt. Der Bauer Winklhofer hat das verstanden und macht das Beste daraus. Er sagt es laut, schaut ernst und hofft auf den Beistand einer Republik, die Beistand gern als Förderung verbucht und Förderungen gern als Erfolg verkauft. Das war, so sagt er, erst der Anfang. Und er hat Recht. Der Anfang ist alles, was man derzeit zuverlässig bekommt.