Es war nur eine Frage der Zeit, bis irgendjemand auf die Idee kommt, an einem Weltraumlabor von der Größe eines Fußballfeldes mit Wattestäbchen herumzufuchteln. Zwei beruflich schwer gegen Akrophobie Geimpfte haben sich also, sieben Stunden lang, in den Weltraum hinausgewagt, um dort nach Kleinstlebewesen zu suchen. Einen besseren Beweis dafür, dass der Mensch die Erde wirklich verlassen hat, gibt es kaum. Man putzt halt gerne. Auch wenn einem kein Mensch zuschaut.
Die Suche nach Mikroorganismen am ISS-Außen ist im Grunde die logische Fortführung eines uralten Menschheitstraums: Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Nur eben in einer Höhe, in der einem jeder Handgriff doppelt schwer fällt, weil die Handschuhe so dick sind wie die Aktenordner eines mittelgroßen Bezirksbauamtes. Der Außeneinsatz selbst gleicht dabei der Montageanleitung eines schwedischen Möbelhauses, nur schwebend, mit Sauerstoff und ohne den kleinen Inbusschlüssel, den am Ende niemand findet.
Während sich die Damen also tapfer an der Hülle zu schaffen machten, installierten sie auch noch einen Reflektor. Ein Gerät, das Raumschiffen beim Anflug helfen soll. Man darf sich kurz vorstellen, wie ein milliardenteurer Raumtransporter aus dem All angebraust kommt und dann dank dieses neuen Spiegels endlich weiß, wo vorne und hinten ist. Der Vorgang erinnert verdächtig an jenen Moment, wenn der Paketdienst im dritten Anlauf tatsächlich die richtige Hausnummer findet. Nur mit mehr Vakuum.
Natürlich drängt sich die Frage auf, warum ausgerechnet dort oben nach Leben gefahndet wird. Hier auf der Erde hat man ja bekanntlich Schwierigkeiten genug, die Bakterien in U-Bahn-Schienen, Schulhof-Broteinfällen oder den Prospekten an der Haustür zu katalogisieren. Aber nein, man sucht draußen, wo es offiziell gar nichts zu suchen gibt. Das ist die hohe Kunst der Verwaltung: Probleme dort lösen, wo garantiert keine Beschwerden eingehen, weil die Postanschrift fehlt.
Inzwischen tagt im Hintergrund, ganz im Stillen, die für außerirdische Hygiene zuständige Zwischenabteilung. Sie prüft, ob die Internationale Raumstation als Biotop unter Schutz gestellt werden muss. Sollte das passieren, bräuchte künftig jeder Astronaut, der einen Schlauch anschraubt, eine behördliche Genehmigung in dreifacher Ausfertigung. Und eine Leiterin für die Abteilung gibt es natürlich auch schon. Sie sitzt in einem fensterlosen Büro und sortiert Anträge.
Am Ende bleibt der beruhigende Eindruck: Selbst dort, wo eigentlich niemand wohnt, wird irgendwann jemand gefunden, der mit dem Besen wedelt. Und sei es in Form zweier Astronautinnen, die mit einem Wattestäbchen in der Schwerelosigkeit stehen und sich fragen, ob das alles wirklich im Dienst der Wissenschaft passiert. Oder ob nur die Erde zeigen wollte, dass sie ihre letzten Geheimnisse endgültig ins All verfrachtet hat.