Es gibt Waffen, die in Verfassungen stehen, und es gibt Waffen, die in Küchenkästen stehen. Bisher galten Nudelhölzer als das, wofür Gott sie erschaffen hat: für ordentlich Teig und gelegentlich für die frustrierte Schwiegermutter, die den Sonntagszopf verhaut hat. Doch nun hat ein 63-jähriger Salzburger die kulinarische Weltordnung gehörig durcheinander gewirbelt, indem er besagtes Gerät offenbar als Werkzeug der finalen Zartbitter-Karamellisierung seiner Ex-Freundin zweckentfremdete. Man darf gespannt sein, ob das Bundesheer künftig Sturmhauben und Nudelhölzer gemeinsam unter Munition listet oder ob das Heeresgeschichtliche Museum den Tatbestand als Meilenstein der alpinen Waffengeschichte kuratieren wird.
Der Mann lauerte vermummt auf, ging offenbar mit der Sorgfalt eines ambitionierten Hobbybäckers ans Werk, schlug mehrfach auf den Kopf und stieß die Frau eine Stiege hinunter, so als handle es sich um ein Rezept für Kaiserschmarrn, nur ohne die Schmarrn. Besonders beruhigend wirkt die Mitteilung der Staatsanwaltschaft, wonach der Mann in Tötungsabsicht gehandelt habe, diese Absicht aber im Selbstversuch an der eigenen Entkräftung gescheitert sei, weil ihm die Frau, anstatt das Zeitliche zu segnen, die Rücknahme der Trennung versprach. Ein klassischer Fall von: Liebe geht durch den Magen, und der Täter geht durch die Knie, sobald die Liebe wieder zurück auf den Herd darf.
Es gehört zur österreichischen Seele, dass wir jede noch so ernste Angelegenheit mit einem Achselzucken und einem deftigen Spruch einordnen. Sturmhaube plus Nudelholz klingt dabei weniger nach dem Drehbuch eines hochkomplexen Kriminalfalls und mehr nach dem verunglückten Probenabend einer Laien-Theatergruppe, die sich an einer düsteren Krimi-Adaption versucht. Wäre da nicht der Umstand, dass eine Frau dabei schwere Verletzungen erlitt, könnte man fast auf den Gedanken kommen, die örtliche Polizei hätte bei der Soko Teigrolle den Auftrag, zunächst die Backgewohnheiten beider Beteiligter zu eruieren, ehe man die Handschellen klicken lässt.
Die Causa offenbart zudem eine erstaunliche Lücke in der heimischen Sicherheitsarchitektur. In den Förderrichtlinien für Frauenhäuser wird zwar eifrig aufgelistet, welche Hotlines zu welchen Uhrzeiten erreichbar sind, als ginge es um die Speisekarte eines Take-away-Services. Doch solange ein Nudelholz in keiner Verordnung als potentiell tödliches Küchengerät klassifiziert ist und der Staat bei der Waffeneinteilung noch zwischen Revolver und Klobrille differenziert, bleibt ein gefährliches Halbwissen in den Haushalten zirkulieren. Es braucht vermutlich erst ein bundesweites Verbot, damit Hausfrauen und Hausmänner ihr Nudelholz nur noch mit waffenrechtlicher Genehmigung führen dürfen, am besten angemeldet bei der Bezirkshauptmannschaft, mit Stempel und vierwöchiger Wartezeit.
Wer sich nun fragt, was die Salzburger Stadtregierung aus diesem Vorfall lernen wird, darf sich auf einen runden Tisch freuen, an dem neben der Polizei, dem Frauenhaus und der Staatsanwaltschaft selbstverständlich auch der örtliche Bäckerinnungsmeister Platz nimmt, um über die zivil-militärische Doppelnutzung von Teigrollen zu beraten. Am Ende wird ein Maßnahmenpaket stehen, das das Nudelholz in die Liste der Gegenstände des täglichen Bedarfs mit erhöhter Sorgfaltspflicht aufnimmt, versehen mit dem Hinweis: Außer Reichweite von Ex-Partnern lagern. Und falls jemand wissen will, wie man eine Trennung ohne den Beigeschmack von Küchenutensilien überlebt: einfach rechtzeitig das Nudelholz verschenken, am besten an die Schwiegermutter, die weiß ohnehin am besten damit umzugehen.