Irgendwo zwischen den letzten Ausläufern der Zivilisation und dem nächsten Skigebiet liegt Berndorf, ein Ort, dessen Bekanntheitsgrad bisher etwa auf Höhe eines verschwundenen Kabelschachts lag. Das ändert sich jetzt, denn die Riesentöter haben zugeschlagen, und zwar so gründlich, dass selbst der geneigte Beobachter kurz überlegen muss, ob er die Sorte Humor versteht, die das Universum hier auffährt. 5:1 gegen den Primus, den unbesiegten Spitzenreiter, den Stolz der Oberpinzgauer. Man darf das ruhig wiederholen, weil es so schön ist. Fünf zu eins. Gegen die, die vorher keiner schlagen konnte.
Der zuständige Sportchef geriet derweil in einen Zustand, den man im klinischen Sprachgebrauch vermutlich als akute Euphorie mit Verlust der Sprechfähigkeit klassifizieren würde. Mächtig stolz, sprach er, die Bonuspunkte seien mitnichten zu erwarten gewesen, und überhaupt, so etwas habe es in Berndorf viele Jahre nicht mehr gegeben. Man stelle sich das vor. Viele Jahre. Das klingt, als hätte man in Berndorf bei der Frage, was denn so ein Fußballspiel sei, in der Zwischenzeit auf Bauernhofregeln und Glückskeks-Sprüche umgestellt, und jetzt reißt plötzlich der Himmel auf, die Hörner erklingen, und irgendein Noah Illek staubt zum entscheidenden Moment ab, weil der Torwart wegen einer Kniesache ohnehin in der Kabine bleibt. Die Fußballgötter haben einen skurrilen Humor.
Währenddessen beim geschlagenen Tabellenführer bemüht man sich um Contenance. Ein X mit Vorteilen auf einen Sieg, sagte der Obmann, und man fragt sich, ob es im Salzburger Land neuerdings eine besondere Rechenmethode gibt, bei der fünf Gegentore und ein einziger Treffer zusammen einen Strich auf dem X ergeben, der theoretisch beinahe wie ein Kreis aussieht, wenn man nur fest genug blinzelt. Schade eigentlich, dass die Mathematik keine Träume zählt, sonst würde man jetzt vermutlich von einem 2:1-Sieg in einer Parallelrealität sprechen, in der Stangenschüsse ein Tor sind und vermeintliche Abseitsstellungen auf wundersame Weise anerkannt werden.
Bemerkenswert bleibt, mit welcher Nonchalance hier historische Fakten verwaltet werden. Der gegnerische Schlussmann, der fast vierhundert Minuten lang seinen Kasten sauber hielt, wird ausgerechnet an dem Abend geknackt, an dem das Knie beschließt, die Saison ab jetzt aus der Ferne zu kommentieren. Man könnte glauben, der liebe Gott wolle demonstrieren, dass er durchaus Humor besitzt, nur halt einen, der die wenigsten verdient haben. Auf der anderen Seite stehen Leute mit so unauffälligen Namen, dass sie im Telefonbuch unter Wurstwaren einsortiert würden, und schießen den Tabellenführer in Grund und Boden.
Was bleibt am Ende? Ein 5:1, das niemand kommen sah, ein Sportchef, der den historischen Moment wahrscheinlich in den nächsten drei Wochen bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit wiederholen wird, und ein Tabellenführer, der jetzt vermutlich erst einmal in Klausur geht, um die kollektive Würde wiederzufinden. Das nächste Spiel, heißt es, wolle man aufrichten und wieder Gas geben. Man darf gespannt sein, ob in Berndorf dann die nächste Sensation wartet, oder ob die Mannschaft ausnahmsweise einmal in die andere Richtung verliert, wie es sich für eine seriöse Provinztruppe gehört. Man wünscht sich beinahe, die Saison sei noch länger, damit man weiter zuschauen darf.