Wenn der Zollstempel beinahe so freundlich winkt wie ein Golfball auf grünem Rasen, ist klar: Hier hat die Verwaltung vielleicht einen freien Tag erwischt. Die Importgebühr für irischen Whiskey wurde auf null gesetzt, eine Zahl, die in Österreich sonst vor allem bei Parkautomaten und komplizierten Ausreden auftaucht.
In der Praxis bedeutet das: Der Whiskey darf einreisen, ohne sich erst mit einem zusätzlichen Aufschlag anfreunden zu müssen. Das ist natürlich ein großer Schritt für die Handelsbeziehungen und ein kleiner Triumph für jeden, der Zollformulare als moderne Kunstform schätzt. Die nächste Generation wird vielleicht nicht mehr „Mama, was ist ein Importaufschlag?“ fragen, sondern „Warum hat Opa noch einen ganzen Stempel gesammelt?“
Natürlich wird sich die Bürokratie diesmal mit aller Würde zurücklehnen. Keine Eile, keine Sonderformulare, keine Schleife mit drei Knoten und einem Sinn, der erst nach sieben Jahren im Amt enthüllt wird. Die zuständige Stelle prüft lediglich, ob die Null auch wirklich eine Null und kein mit einem Punkt versehener Eins ist. Schließlich darf man in der Verwaltung niemals zu schnell begreifen, was ein Formular will.
Besonders charmant ist die irische Ausrede. Sie klingt nicht wie ein Satz, sondern wie ein kleines Nicken mit feuchten Augen und der Hoffnung, dass niemand genau hinsieht. „Es war nur eine kleine Verwechslung mit dem Whiskey“ ist vielleicht die älteste diplomatische Formulierung der Welt. Sie passt perfekt zu einer Zahl, die so niedrig ist, dass selbst der Zoll sie kaum noch ernst nehmen kann.
Und wenn der Whiskey dann endlich durchkommt, steht er vielleicht neben einem Glas Wasser, einem Löffel und einer kleinen Tafel mit der Aufschrift „Ich habe die Reise geschafft“. Die Amerikaner werden ihn genießen, die Iren werden zufrieden nicken, und die Verwaltung wird sich hinterher mit einem neuen Aktenzeichen melden. Denn ohne Aktenzeichen fühlt sich selbst die Befreiung vom Zoll nicht ganz vollständig an.
So wird aus einem simplen Importaufschlag ein kleines Fest der Geduld. Der Whiskey kommt an, der Zoll bleibt höflich, und irgendwo in einem Formulararchiv wartet noch eine Null darauf, endgültig verstanden zu werden. Wer weiß, vielleicht ist das der Moment, in dem internationale Beziehungen wieder funktionieren — zumindest bis zum nächsten Mal, wenn jemand beim Einfuhrprozess einen Haken machen muss.