Es gibt Veranstaltungen, da spürt man schon beim Lesen der Einladung, dass hier jemand ganz dringend zeigen möchte, dass er eigentlich ein ganz normaler Mensch ist. In Zwentendorf etwa lud die örtliche Sozialdemokratie zum sogenannten Familienfest, also zu jenem ehrenwerten Brauchtum, bei dem Parteien so tun, als hätten sie selbst Kinder und als wäre die Kinderfreunde-Gruppe nicht nur eine parteinahe Schnittstelle zur frühkindlichen politischen Indoktrination. Aber gut, wir wollen nicht ungerecht sein. Wahrscheinlich geht es wirklich nur darum, dass die Traktorrundfahrten schon eine gewisse Faszination auf das junge Publikum ausüben. Wer möchte nicht auf einem Vehikel sitzen, das in einem Radius von vierhundert Metern den gesamten Ortsverkehr lahmlegt, nur um dann drei Minuten lang die Hauptstraße entlangzurollen, begleitet vom rhythmischen Klirren der Hupen?
Die Traktoren sind übrigens nicht nur deshalb ein Magnet, weil sie laut sind und ein Lenkrad haben, an dem man sich wichtig fühlen kann. Sie sind ein Magnet, weil sie noch jene bäuerliche Romantik versprühen, die in Sonntagsreden gerne als Beweis für die Bodenständigkeit der Funktionäre herhalten muss. Es ist halt doch etwas anderes, ob ein Landesrat in einer Pressekonferenz erklärt, er kenne die Sorgen der Landwirte, oder ob er bei einem Familienfest persönlich am Beifahrersitz eines Steyr sitzt und in die Runde winkt, während ein Dreijähriger das Lenkrad kaum erreicht. Da wächst zusammen, was zusammengehört, nämlich die politische Klasse und die Dorfgemeinschaft, und der Misthaufen dazwischen wird höflich übergangen.
Beim Basteln und Kinderschminken darf natürlich auch nicht fehlen, dass die Kinderfreunde mit anpacken. Sie sind gewissermaßen die Vorhut der Partei in Sachen weicher Infrastruktur, und so ein Familienfest bietet die seltene Gelegenheit, schon die Kleinsten daran zu gewöhnen, dass Sozialdemokratie nicht nur aus Sitzungen besteht. Wer als Fünfjähriger fröhlich einen Pappteller mit den Konterfeis der Stadträte beklebt, der wird später als Stammwähler kaum noch Probleme mit der Welt haben. Man nennt das gesellschaftliche Verankerung, manche nennen es auch parteipolitische Kinderbetreuung mit Konfetti.
Den eigentlichen Höhepunkt des Tages lieferte aber, und das muss man neidlos anerkennen, die Freiwillige Feuerwehr. Sie rückte nicht etwa wegen eines Brandes oder eines technischen Gebrechens an, sondern wegen einer Schaumparty. Man stelle sich das vor: Die Feuerwehr, jene Institution, die wir ansonsten nur dann bewusst wahrnehmen, wenn es in der Zeitung um Budgetkürzungen geht, tritt hier als Veranstalter einer rasanten Schaumparty auf. Das ist in etwa so, als würde das Finanzamt eine Kinderhüpfburg organisieren oder die Gebietskrankenkasse einen Limbo-Wettbewerb veranstalten. Es ist ein bisschen absurd, ein bisschen rührend und vor allem ein ziemlich deutliches Signal: Wenn selbst die Feuerwehr im Schaum steht, dann muss die Weltlage wirklich prekär sein.
Was die Veranstalter besonders freuen dürfte, ist die Tatsache, dass niemand mehr so genau unterscheidet, wer hier eigentlich was feiert. Es könnte ein Familienfest sein, ein Sommerausklang, eine Vorwahlkampf-Veranstaltung, oder schlicht die Antwort auf die Frage, was man macht, wenn die letzte Klausur vor dem Urlaub überstanden ist und die Traktorsaison endlich wieder beginnt. Hauptsache, es gibt eine Bühne, ein Buffet, ein paar rote Luftballons und die Gewissheit, dass die lokale Berichterstattung mindestens ein Foto mit Kind und Funktionär abdruckt.
Am Ende bleibt der Eindruck eines Tages, der seine Aufgabe erfüllt hat, auch wenn man nicht genau sagen kann, welche das war. Ein paar Kinder wurden geschminkt, ein paar Traktoren bewegt, ein paar Schaumberge produziert. Irgendjemand hat eine Rede hat. Irgendwo wurden Würstel gegessen. Und im Hintergrund, ganz leise, fast unmerklich, ist die nächste Wahl schon ein Stück näher gerückt.