Es gibt Sätze, die muss man einfach zwei Mal lesen, weil das Gehirn zuerst denkt, man hätte sich verhört. Stolz auf 3,3 Milliarden Euro Schulden ist so ein Satz. Stolz, also nicht zerknirscht, nicht zerknüllt, nicht einmal dezent gerötet, sondern richtig stolz, wie einst der kleine Maximilian, als er die Hauerlsche Volksschule als Zweitbester verließ. Nur dass diesmal ein ganzes Bundesland die Festrede halten darf.
Dabei sah der Auftritt im Landtag eigentlich nach Comeback aus, wie man es aus dem Showgeschäft kennt. Künstler kehren zurück, Stimme ist weg, kommt mit Prothese wieder, tosender Applaus, alles neu. Über die kleinen Nebengeräusche der Anlage redet keiner. Hauptsache, die Hütchen fliegen wieder. Einer warf hier sogar das Wort Hütchenspiel in den Saal, und es war ausnahmsweise keines der üblichen Wortspielchen der burgenländischen Polit-Sommerfrische, sondern eine ziemlich konkrete Vermutung.
Während also die einen so tun, als handle es sich bei 3,3 Milliarden Euro um ein ehrenhaftes Andenken an die Krisen der letzten Jahre, schauen andere genauer hin. Die ÖVP fragte sich, wo das Geld der Burgenländerinnen und Burgenländer geblieben ist, und klang dabei ungefähr so vertrauensvoll wie ein Bauer, der sein Sparbuch im Klo versenkt hat und nun eine plausible Erklärung sucht. Die Grünen wiederum übten sich in jener Disziplin, die man an Wien grenznaher Politik besonders gut beherrscht, dem gleichzeitigen Bekenntnis zum Rechnungshof und zur Relativierung seiner Zahlen. Doppelt hält besser, vor allem wenn man sich nicht entscheiden will.
Besonders rührend war das Duell zwischen Landeshauptmann und Rechnungshofdirektor. Der eine wirft dem anderen vor, sich aufs politische Diskussionsfeld begeben zu haben. Als wäre der Rechnungshof ein Mauerblümchen, das nur dann zählen darf, wenn es hübsch leise ist und die Landesregierung nicht stört. Wird das Amt zu laut, ist es selber schuld. Ein bisschen wie in der Schule, wenn der Direktor beim Pausenfußball mitspielt und dann sagt, der Schiedsrichter hätte sich nicht einzumischen. Womit der Direktor übrigens zufällig auch der Spieler ist. So nebenbei.
Sehr erhellend war zudem der Hinweis, das Burgenland sei via Athena-Fonds an mehreren erfolgreichen Betrieben beteiligt. Falls jetzt jemand glaubt, das sei ein antikes griechisches Investmentvehikel, nein, es ist offenbar das burgenländische Pendant zum Pensionsfonds einer Versicherung, nur dass es nach Göttin der Weisheit klingt, was bei einem Schuldenstand dieser Größenordnung schon eine gewisse Chuzpe hat. Immerhin kennt man nun den Namen der Hausapotheke. Vielleicht steht sie auch in der nächsten Bilanz als Sahnehäubchen ganz oben.
Und überhaupt, die Gesundheitsmilliarden. 1,3 Milliarden in sechs Jahre, das klingt erst einmal nach viel, dann nach wenig, je nachdem, in welche Klinik man sich legt und wie lange. Die Logik, dass ausgerechnet jener, der das Geld ausgibt, darüber befindet, ob es nötig war, hat durchaus Tradition, nicht nur in diesem Bundesland. Man fragt ja auch den Zahnarzt, ob die Wurzelbehandlung wirklich notwendig war, kurz bevor man die Rechnung unterschreibt.
Am Ende bleibt ein Bild, das man in ein Schulbuch für Politische Bildung aufnehmen könnte, unter dem Kapitel Was passiert, wenn man eine Wahl gewinnt und das Budget verliert. Ein Landeshauptmann steht mit Stimmprothese im Saal und sagt stolz, dass alles so gemeint war, wie es war, während die Opposition nickt und sich Notizen für die nächste Wahl macht. So sieht Amtsposse aus, und zwar die, die man bezahlt bekommt.