Es gibt Veranstaltungen, die klingen schon im Titel nach einer kleinen bürokratischen Wundertüte. Ässa und Tschässa, so heißt das Ganze, und wer jetzt kurz überlegt, ob das ein thüringisches Wort für Anfang und Ende ist, liegt möglicherweise nicht ganz falsch. Es könnte aber auch einfach ein freundlicher Versuch sein, das gesprochene Wort auf das absolut Notwendige zu reduzieren. Zwei Silben für ein ganzes Landesfest, das ist eine Sparsamkeit, von der manche Behörde nur träumen kann.
Dabei ist die Idee bestechend simpel. Man nehme ein Fleckchen Wiese, ein paar regionale Schmankerl, Musik, die zwischen fröhlich und fröhlich-plus-plus pendelt, und schon hat man die Zutaten, mit denen angeblich ein ganzes Bundesland zusammenklingt wie ein gut gestimmtes Chordophon. Die Logik dahinter erinnert ein wenig an jene Überzeugung, dass ein einzelner Kuchen reicht, um die Stimmung in einer ganzen Abteilung zu heben. Funktioniert oft, solange der Kuchen groß genug ist und die Abteilung nicht gerade über Kuchenpolitik streitet.
Was besonders besticht, ist der Anspruch. Ganz Thüringen, heißt es, wird zusammengebracht. Nicht ein Stadtviertel, nicht ein Landkreis, nein, das ganze Land, und das an einem einzigen Sommerabend. Das ist entweder sehr bescheiden oder sehr ambitioniert, vermutlich beides gleichzeitig. Wer schon einmal versucht hat, in einem Mehrfamilienhaus einen einzigen Wunsch nach Pizzabelag zu vereinen, ahnt, was es heißt, eine ganze Region auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Wenn dieser Nenner Ässa und Tschässa heißt, muss er entweder extrem einladend oder extrem dehnbar sein.
Die regionalen Schmankerl spielen dabei die Rolle des diplomatischen Personals. Solange Bratwurst und Klöße gerecht verteilt werden, lassen sich auch tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten überbrücken, etwa ob man Senf nun mittig oder seitlich auf den Teller setzt. Die gute Stimmung, die dabei entsteht, ist eine jener seltenen Ressourcen, die sich weder importieren noch besteuern lassen, und sie hat die angenehme Eigenschaft, erst dann zu verschwinden, wenn jemand anfängt, eine Rede zu halten.
Was die Musik betrifft, so hält sie sich offenbar an die ungeschriebene Regel sommerlicher Freudenfeste. Sie ist laut genug, um Smalltalk überflüssig zu machen, aber leise genug, um wenigstens in der Nähe der Bühne noch so zu tun, als höre man aktiv zu. Es ist die akustische Mitte, die jede Behördenfeier gerne hätte und die auf Ässa und Tschässa offenbar ohne Diskussion erreicht wurde. Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass man in Thüringen seit jeher weiß, wie man klanglich die richtige Balance zwischen Feier und Feierabend findet.
Am Ende bleibt der schöne Gedanke, dass es tatsächlich Orte gibt, an denen zwei Silben ausreichen, um alle nach draußen zu locken. Ob das nun an der Kürze liegt, an der Neugier oder schlicht daran, dass der Sommer ohnehin nach einem Vorwand sucht, um noch ein letztes Mal offiziell verabschiedet zu werden. Ässa, Tschässa, Sommer vorbei, Bundesland vereint, Klöße verteilt, Musik passt, Stimmung gut. Wenn das kein Erfolgsrezept ist, dann weiß die Regionalpolitik auch nicht mehr weiter.