Wien versinkt am Freitag in einer Hitzelawine, die selbst hartgesottene Kaffeehausbesitzer in die Knie zwingt. 33 Grad klingt auf dem Papier nach Zahlenmaterial, in der Realität ist es eine behördliche Anordnung, der sich die Bevölkerung zu fügen hat. Die Sonne brennt unerbittlich auf Pflastersteine, die im Sommer ohnehin nur noch als Pfannkuchen dienen.
Der Clou an der ganzen Wettervorführung: Der Saharastaub hat sich persönlich angekündigt. Während Meteorologen landauf, landab mit Hochdruckgebieten jonglieren, reist feinster Wüstensand erster Klasse an und setzt sich ungefragt in jede Lunge. Eine Chiffre für die Bürokratie: Niemand bestellt ihn, aber alle bekommen ihn ab, und niemand fühlt sich zuständig. So funktioniert Verwaltung, nur heißer.
Die Tiefstwerte verharren bei tropischen 20 Grad, was den Wienern die traditionelle Klage über Nachtkühle endgültig vom Programm abnimmt. Wer jetzt noch friert, ist selbst schuld. Der Südostwind pfeift mit 50 bis 60 km/h über die Stadt, gerade so, als wolle er die Hitze persönlich vertreiben, schaffe es aber nicht und tobe sich deshalb an den Schirmen der Gastgärten aus.
Am Wochenende deutet sich dann der unvermeidliche Wetterumschwung an. Gewitter und Schauer kündigen sich an, als hätte jemand die Klimaanlage in den Feierabend geschickt. Samstag soll es 29 Grad warm werden, Sonntag immerhin 32 – was Wetterfrösche vermutlich als ausgewogenes Klima bezeichnen würden, würde man sie nicht vorher einschläfern. Die Republik nimmt es gelassen. Nach drei Tagen Hitzewelle und Saharastaub im Hals weiß ohnehin niemand mehr, was normales Wetter überhaupt sein soll.
Besonders possierlich: Während die Hitze die Stadt flachlegt, bleiben die Schlagzeilen unbeeindruckt. Ein Schwan legt die U-Bahn lahm, ein junger Mann verschwindet spurlos, Ärzte streiten mit dem Ministerium über Impfstoffe – alles Dinge, die bei 33 Grad ohnehin niemanden interessieren. Die Sonne hat das Kommando übernommen, und selbst die Bürokratie schwitzt nur noch stumm vor sich hin. Ein Hochgenuss, zumindest für jene, die wissen, wie man bei dieser Witterung richtig flucht.