Da fährt einer aus Wien die B317 entlang und denkt sich, es wird Zeit für ein Experiment. Freitagnachmittag, halb drei, Scheifling Richtung Judenburg, eine einigermaßen überschaubare Strecke, die selbst ein Navi ohne Doktortitel bewältigen sollte. Doch wenn die Technik versagt, dann richtig, und schon landet der sportliche Mittfünfziger auf der Gegenfahrbahn, wo ihm eine 37-jährige Murauerin gegenübersteht und der beginnende Feierabend ein jähes Ende findet.
Was dann passiert, ist im Grunde das, was jeder Beifahrer seit der Erfindung des Sicherheitsgurtes instinktiv befürchtet. Wumms, zurück auf die eigene Spur, noch ein Wumms, diesmal mit einem Motorrad, dessen Lenker ausgerechnet aus einer anderen Bezirkshauptstadt stammt, als wäre die steirische Topografie auf Diversität programmiert. Der junge Mann stürzt, der Wagen überschlägt sich zumindest metaphorisch, und am Ende liegen vier Menschen in Spitälern, darunter ein elfjähriger Beifahrer, der vermutlich gerade etwas ganz anderes vorgehabt hat, etwa Ferien.
Dass die Feuerwehren St. Georgen und St. Peter ob Judenburg mit insgesamt vier Fahrzeugen und achtzehn Mann ausrücken, zeigt eindrucksvoll, wie gut das steirische Blaulichtsystem funktioniert, wenn man es einmal weckt. Während die Rettung mit Helikopter anrückt, weil offenbar auch die Bodengebundenheit an ihre Grenzen stößt, werden die Beteiligten in umliegende Krankenhäuser sortiert wie Weihnachtspackerl in ein Lager. Schwer, schwer, schwer, leicht, die Reihenfolge klingt wie eine Inventur.
Was den Beitrag wirklich krönt, ist der Hinweis am Ende, dass dieser Text mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Man darf also annehmen, dass weder ein Mensch noch eine Maschine die geringste Lust hatte, diesen Unfall zu beschreiben, also hat man das Schreiben jener Instanz übertragen, die ohnehin schon zu viel weiß. Wenn KI in Zukunft auch das Lenken übernimmt, dürfte die Zahl derartiger Ausflüge auf die falsche Spur drastisch sinken, es sei denn, sie lernt von Wienern.
Im Murtal wird man den Freitag als den Tag vermerken, an dem die Bundesstraße kurzzeitig zur Achterbahn wurde und der regionale Wirtschaftskreislauf einen unerwarteten Impuls erhielt. Die Spitalsbetten füllen sich, die Mechaniker haben zu tun, und die Zeitungsredaktionen merken an, dass solche Geschichten die Klickrate ebenso zuverlässig heben wie ein Wiener auf der Gegenfahrbahn die Unfallstatistik. Man darf gespannt sein, ob beim nächsten Mal wenigstens der Beifahrer ein Navi dabeihat, das in die richtige Richtung weist.