Es ist wieder einmal soweit in der niederösterreichischen Provinz: Die Stadt Wiener Neustadt hat ihre Sportlerinnen und Sportler vor den Vorhang geholt, also jene tapferen Zeitgenossen, die es irgendwie geschafft haben, bei einer Meisterschaft ganz oben am Stockerl zu landen. Heuer durfte auch ein Tanzverein mit von der Partie sein, was die Sache sofort um jene dringend notwendige Komponente bereichert, die eine echte Sportlerehrung braucht: nette Choreografien und das wohlige Gefühl, dass wenigstens irgendwer im Saal das rhythmische Talent besitzt, bei einem Marsch nicht aus dem Takt zu kommen.
Die Ausgezeichneten selbst heißen Dinge wie Next Generation, Kampf und Show, was entweder nach einer düsteren Dystopie klingt oder nach dem Programm eines Wrestling-Abends, aber angeblich ist das einfach Tanz. Ein Duo wurde ebenfalls geehrt, vermutlich weil man bei einem Verein, der Seven2Eight heißt, die Mathematik ohnehin schon strapaziert genug hat. Das Bürgermeisterliche kam persönlich vorbei, um Orden oder zumindest Hände zu verteilen, flankiert von einem Ex-Weltmeister im Tischtennis, der seinerseits in einer Sportart glänzte, in der der Ball deutlich kleiner ist als die Eitelkeit der Funktionäre.
Man stelle sich das Bild vor: Ein ganzer Saal voller Leute, die das ganze Jahr über geschwitzt, trainiert und irgendwelche Choreografien einstudiert haben, bekommen nun vom Bürgermeister feierlich die Hand geschüttelt, als hätte er persönlich die Choreografie genehmigt. Dass ein ehemaliger Tischtennis-Weltmeister anwesend ist, verleiht der Veranstaltung jenen Hauch von Seriosität, den sich die Veranstalter wünschen, wenn sie ihrer Verwaltungsarbeit den Anstrich von olympischer Würde verleihen wollen.
Der Verein selbst gibt sich naturgemäß bescheiden und betont, dass es nicht nur um Medaillen gehe, sondern auch um das gemeinsame Arbeiten an Choreografien und die Entwicklung der Tänzerinnen und Tänzer. Das ist natürlich rührend, denn wer würde auch zugeben, dass es bei einer Tanzgruppe vor allem darum geht, dass irgendwer die Musik bezahlt und die Eltern am Wochenende nicht ausrasten. Aber gut, in der heutigen Zeit muss man halt nehmen, was man kriegen kann, und sei es eine offizielle Anerkennung der Stadt dafür, dass man seine Gliedmaßen koordiniert bewegen kann.
Wer die prämierten Gliedmaßen noch einmal in Aktion sehen möchte, hat dazu am Stadtfest Gelegenheit, wo einmal mehr die wundersame Verdopplung niederösterreichischer Festkultur stattfindet: Einmal im Jahr trifft sich die Bevölkerung, um Würstel zu essen, Kapellen zu ertragen und sich daran zu erinnern, dass es überhaupt eine Stadt gibt. Seven2Eight wird dort auftreten und vermutlich auch jene Stücke zeigen, die bei der Ehrung bereits abgespult wurden, denn wenn etwas in Wiener Neustadt funktioniert, dann die Wiederverwertung von Programmpunkten.
Was bleibt also von diesem Abend übrig, abgesehen von der Gewissheit, dass die Stadtverwaltung auch im kommenden Jahr wieder eine Bühne aufstellen wird, um Menschen zu feiern, die in irgendeiner Disziplin besser sind als der Durchschnitt? Vermutlich das Gefühl, dass Sportlerehrungen in Niederösterreich genau jene Mischung aus Lokalstolz und Selbstinszenierung liefern, die man sich von einer Kleinstadt wünscht, die sich für den Nabel der Welt hält, aber immerhin den Bürgermeister und einen Weltmeister gleichzeitig auf die Bühne bringt. Das ist mehr, als die meisten anderen Gemeinden in der Gegend vorweisen können, und sei es auch nur ein schwacher Trost.