Man nehme einen Samstag, sechs Redaktionsplanstellen, drei Kamerateams und eine Handvoll Pressetexte, die schon vor dem Frühstück den Feierabend riechen. Heraus kommt jenes Wochenend-Paket, das einem verspricht, für jede Altersklasse das Richtige zu bieten, Hauptsache, die Altersklasse sitzt vor dem Bildschirm und klickt brav weiter. Exklusiv ist hier vor allem das Versprechen selbst, denn exklusiv klingt immer dann gut, wenn man den Inhalt noch nicht kennt.
Im Zentrum steht das übliche Schauspiel einer Regionalberichterstattung, die sich für ein Schaufenster hält. Da wird ein Businesslauf in Linz abgefeiert, als hätte das menschliche Grundbedürfnis nach Schuhwerk plötzlich historische Tragweite. Christina Stürmer darf einen neuen Konzerttermin ankündigen, damit auch die mittlere Generation weiß, dass sie noch gemeint ist. In Bad Ischl brilliert eine Operette mit der zweitbesten Saison aller Zeiten, was in der Branche offenbar als Kompliment gilt, weil zweitbeste Saison klingt nach Silbermedaille und nach Menschen, die trotzdem Eintritt zahlen.
Dazwischen türmen sich die Härtefälle des Landes, und es wird deutlich, woran ein Wochenendangebot wirklich gemessen wird: an der Fähigkeit, zwischen einer Mückenwarnung für Vorarlberger Rinder und der Frage, ob ein Hotel am See endlich umgebaut wird, noch einen sinnvollen Satz zu formulieren. Die Kinder im Drogensumpf, die freigesprochene Mutter, der Tankstellenbetreiber vor dem Aus, die Wettbüro-Debatte und der leise Hinweis, dass Stronach mit 93 keine Angst vor dem Tod hat, alles bekommt seine Ecke, alles bekommt sein Tempo, nichts bekommt wirklich Zeit.
Man sieht das Prinzip: Zuerst die Drohung, dann der Trost, dann das Sommerprogramm, dann die Landespolitik, dann noch ein Rätsel. So entsteht der Eindruck von Vielfalt, obwohl es nur ein gut sortiertes Regal ist, in dem jede Woche dieselben Waren umgeschichtet werden. Exklusivität bedeutet hier, dass man als Leser exklusiv das bekommt, was die Nachbargemeinde auch bekommt, nur mit anderer Reihenfolge und einem anderen Wetterhinweis.
Das Beste an der Ankündigung ist freilich die Altersklasse. Die Junge soll klicken, die Mittlere soll buchen, die Ältere soll erinnert werden. Wer keiner Zielgruppe angehört, wird trotzdem mitgenommen, weil ohne Gesamtpaket keine Klickquote und ohne Klickquote kein Sonntag. So gesehen ist Unterhaltung der Extraklasse vor allem eines: ein rhetorischer Notbehelf, wenn das Programm dünn ist, die Bilder zahlreich und die Überschriften mutig. Exklusiv ist am Ende nur das Gefühl, dass einem der Samstag nicht gestohlen wurde, sondern freiwillig überlassen.