Es gibt im Innviertel eine alte Regel: Wenn ein Politiker eine Tour ankündigt, steht dahinter entweder ein Wahlkampf oder eine Autopanne. Im Bezirk Braunau ist man da natürlich moderner, weshalb die Tour gleich „Mehr-Energie-Tour“ heißt und weder Wahlzettel noch Werkstattkoffer im Gepäck sind, sondern Windpark-Manager, Holzbaufirmen und ein landesweiter Drang zu Hybridkraftwerken, die ungefähr so klingen wie ein Familienauto mit drei Sitzen und vier Kindern. Wer bei einer solchen Tour dabei sein will, muss vor allem schwindelfrei sein, beim Blick in die Zukunft und beim Blick über die Windräder, die künftig angeblich das Licht der Gemeindehaushalte spenden sollen.
Dass überhaupt Notwendigkeit für diese Schwindelfreiheit besteht, liegt an einer Zahl, die man sich am besten auf den Frühstücksbutterbrot streicht: Von den 46 Gemeinden im Bezirk schielen 16 in Richtung Härteausgleich, also in jene Kategorie, in der ein Bürgermeister offiziell sagen darf, dass die Kasse leerer ist als die Wirtshauskartei am Montag. Einmalig fließen viereinhalb Millionen aus einem Gemeindepaket, was ungefähr jener Geldbetrag ist, den die Gemeinden in Braunau an einem durchschnittlichen Quartal lächelnd nach oben abführen. Die laufenden Umlagen fressen also jedes Trostpflaster schneller auf, als der Innviertler Haferlvirus einen Erntefestbesucher.
Die Lösung ist, man ahnt es, mehr Strom aus der Region, mehr Geld in die Region, und überhaupt mehr Region. Windpark Munderfing soll beweisen, dass das geht, weil er zu 75,2 Prozent der Gemeinde gehört und im Vorjahr mehr als 41 Millionen Kilowattstunden erzeugt hat, was exakt so viel ist, wie eine Kleinstadt braucht, wenn sie gleichzeitig den Sparzierweck und das Hallenbad betreibt. Jetzt plant man also noch mehr Windräder, dazu Agri-Photovoltaik, bei der die Kühe künftig unter Solarpaneelen grasen und sich fragen, warum ihr Landwirt plötzlich so begeistert von Elektrizität spricht, und Batteriespeicher, damit man auch dann Strom hat, wenn der Wind schläft, die Sonne Urlaub macht und der Bürgermeister trotzdem eine Pressekonferenz einberufen will.
Überhaupt die Pressekonferenzen. Da präsentiert die SPÖ Zahlen, die so glänzen, dass man eine Sonnenbrille braucht. Bis zu zehn Millionen Euro jährlich, allein für Standortgemeinden, wenn alle brav ihre Windräder aufstellen, ihre Felder mit Paneelen bestücken und brav den Gemeinde-Cent akzeptieren, also jene kleine Erfindung, die klingt wie ein Süßwarenladen, aber in Wahrheit eine Finanzierungsturbine ist. Über zehn Jahre wären das mehr als hundert Millionen, also jener Betrag, bei dem selbst der sparsamste Innviertler Bauernsohn kurz überlegt, ob er jetzt doch auf die Politik umsattelt.
Damit das alles nicht in derselben Geschwindigkeit passiert wie ein Behördenweg vom Innviertler Magistrat zum Landessekretariat in Linz, fordert die Partei Beschleunigungszonen, digitale Verfahren, verbindliche Fristen und eine Kraftwerks-Ausbau-Gesellschaft, deren Name allein schon nach so vielen Sitzungen klingt, dass man sich fragt, wann sie eigentlich bauen will. Oberösterreich, so die Botschaft, soll vom Nettostromimporteur zum Selbstversorger werden, was ungefähr so ambitioniert ist wie der Vorsatz eines Hundbesitzers, ab morgen weniger zu bellen. Am Ende stehen Rotoren in der Landschaft, Solarfelder über den Kühen, die Bürgermeister mit sonnengegerbten Gesichtern und die stille Hoffnung, dass beim nächsten Härteausgleich wenigstens der Wind noch weht.