Irgendwo zwischen Wnukowo und Boryspil tobt offenbar jene Form von Diplomatie, bei der die Hauptsache ist, dass überhaupt jemand landet. Zwei US-Unterhändler, von denen einer gleichzeitig Schwiegersohn eines Präsidenten und der andere Immobilienberater mit Sondergenehmigung ist, schweben also in die Hauptstadt jenes Landes ein, das gerade ein anderes Land beschießt. Der Empfang am Flughafen geriet entsprechend herzlich: Kirill Dmitrijew, ein Mann, dessen Aufgabe es seit Monaten zu sein scheint, rund um die Uhr auf einer Startbahn zu stehen und Amerikanern die Hand zu schütteln, durfte diesmal gleich zwei davon begrüßen. Dass das nichts zu bedeuten hat, sagt der Kreml nicht. Aber er sagt es leise.
Putin, dem die Rolle als großzügiger Gastgeber sichtlich liegt, verordnet eine dreitägige Pause für die Luftangriffe auf Kiew. Es ist ein bisschen wie in einer Pension, in der der Wirt die Heizung nur dann aufdreht, wenn die Stammgäste kommen. Russland, so der Subtext, ist jederzeit bereit, ein paar Raketen einzusparen, solange die Verhandlungsshow läuft. Die Ukraine revanchiert sich artig mit einer dreitägigen Garantie für den russischen Luftraum, was die Sache rund macht: Man fliegt also künftig wechselseitig die Lufthoheit des anderen. Das ist neu, das ist praktisch, das ist fast schon europäisch.
In Kiew wiederum erinnert man sich daran, dass der eigene Luftraum ohnehin seit Jahren zivil leer ist. Schuljany, der alte Stadtflughafen, und Boryspil, der neue, sind längst dekorative Ziele, an denen nur noch Drohnen und Erinnerungen landen. Also beschießt man sie ausgerechnet jetzt, kurz vor dem Besuch. Die Botschaft ist klar: Bevor die Amerikaner überhaupt wissen, wo sie parken sollen, wird die Parkfläche noch einmal symbolisch umgepflügt. Russland liefert Diplomatiebegleitschutz in Form von Shahed-Drohnen. Das ist im Grunde die feindliche Variante von Security am Gate, nur lauter.
Trump, der die Angelegenheit wie üblich als handwerkliche Herausforderung behandelt, sagt, die Leute seien geschickt worden, um zu prüfen, ob man etwas erreichen könne. Man prüft also. Sehr amerikanisch. Sehr geschäftlich. Die Phrase klingt, als würde man vor dem Kauf einer Eigentumswohnung einen Handwerker in den Keller schicken. Und weil man bei solchen Anlässen gerne ein neues Fenster einbaut, gibt es diesmal ein Waffenstillständchen, drei Tage zartbitter, mit Hinweis auf Schlachtfeldrealitäten. Russland wünscht sich, dass die Realitäten anerkannt werden, und zwar die, die Russland gerade herstellt. Die Ukraine hätte da vermutlich ein paar eigene.
Am Ende landen die zwei Herren am Sonntag in Kiew, wahrscheinlich auf einer Landebahn, auf der zuletzt eher Kurzstreckenraketen als Verkehrsflugzeuge aufsetzten, und werden anschließend erklären, dass es ein gutes Gespräch war. Dmitrijew wird in Moskau weiterhin auf der Rollbahn stehen, falls noch ein dritter Unterhändler im Anflug ist. Peskow wird erklären, dass alles im Plan liegt. Trump wird sagen, dass er den Krieg in 24 Stunden beenden kann, nur eben gerade nicht. Und Boryspil wird weiter der größte Flughafen Europas sein, auf dem nichts mehr landet außer Hoffnung, Termine und gelegentlich zwei Amerikaner mit einem Koffer voller Vorschläge, die kein Mensch kennt.