In der kleinen Gemeinde Am Tennisball gibt es seit gestern einen neuen Bundeskanzler. Er heißt Alexander Zverev, steht auf einer Auslage neben einem Obstkorb und wurde einstimmig gewählt, weil das einzige andere Kandidat, ein überalterter Schläger, noch im Spind auf Passform geprüft wurde. Die Vereidigung ist besonders feierlich, weil Tennisbälle bekanntlich keine Staatsbürgerschaft besitzen, aber sehr wohl eine laufende Nummer.
Der Landespolitiker begann mit einer Rede, die drei Seiten lang war und nur aus Satzbügen bestand. „Wer gewinnt, regiert“, sagte er, „und wer verliert, bekommt eine Rückmeldung.“ Anschließend wurden die Tennisbälle zu Wahlberechtigten erklärt, weil sie nach jedem Schlag wieder in den Kreis zurückkehren. Damit war klar, dass das Wahllokal kein Gebäude, sondern ein Platz ist.
Die Stimmabgabe erfolgte nicht mit Zetteln, sondern mit Aufschlägen. Jeder Ball musste von der Grundlinie aus ins Formular rollen, und wer nicht bis zur Linie kam, durfte erst nach einer Dienstaufsicht erneut abstimmen. Die Auszählung dauerte drei Runden, weil jeder Treffer als Stimme, jeder Netzschlag als Protest und jeder Doppelfehler als leerer Stimmzettel galt. Besonders umstritten war ein Ball, der einfach liegenblieb; nach kurzer Debatte wurde er zum unentschiedenen Wähler erklärt.
Um die Abstimmung abzusichern, wurde ein Wahlausschuss eingesetzt. Dieser bestand aus dem Obmann, seinem Stellvertreter, dem Obmann-Stellvertreter und einem Ersatzobmann, der eigentlich nur Ersatzstuhl war. Alle trugen Namensschilder, die noch nicht ausgedruckt waren, und besprachen die Tagesordnung, bevor sie entschieden, ob es überhaupt eine Tagesordnung geben dürfe. Der Bürgermeister stellte fest, dass der Wahlvorgang korrekt sei, weil alles korrekt ausgefallen sei.
Bei der Siegerehrung erhielt Alexander Zverev nicht einfach einen Pokal, sondern eine vollständige Verwaltungsstruktur. Der Pokal bekam einen Obmann, die Urkunde einen Stellvertreter und der Siegesball einen eigenen Haushaltsplan. Außerdem wurde beschlossen, dass der Sieger künftig jeden Schlag als Amtshandlung zu melden hat. Ein Fehlschlag darf nur gemeldet werden, wenn er vorher angekündigt wurde; ein Netzball gilt als vollständiger Antrag.
Der Landespolitiker betonte, dass nun jeder Tennisball die gleichen Chancen haben soll. Deshalb wurde eine neue Steuer eingeführt: Ausländersteuer. Sie beträgt ein Viertel des Preises, den der Ball für eine Auslandsreise bezahlen müsste, auch wenn er bisher nur einmal im Nachbarort war. Der Obmann erklärte, dass diese Regelung fair sei, weil alle Tennisbälle gleich weit rollen dürfen, solange sie im Formular bleiben.
Zur Finanzierung des neuen Bundeslandes wurde eine Gebührentarife beschlossen. Für jeden Aufschlag fällt eine Servicegebühr an, für jeden Doppelfehler eine Korrekturgebühr und für jede Rede des Landespolitikers eine Redegebühr. Wer den Ball nicht findet, zahlt eine Suchgebühr; wer ihn findet, darf eine Finderlohn-Anfrage stellen. Die Gemeinde kündigt an, dass die Tarife erst gelten, sobald sie ausgedruckt wurden.
Am Ende wurde Alexander Zverev zum Bundeskanzler ernannt, weil er den Pokal am weitesten vom Boden entfernt halten konnte. Seine erste Amtshandlung war die Einführung einer Wartenummer für alle Tennisbälle, die einmal im Leben einen Grand Slam schaffen wollen. Die Nummer 1 wurde ihm persönlich überreicht; die Nummern 2 bis 999 wurden an Ersatzbälle vergeben, damit niemand traurig ist.
Der Landespolitiker fasste zusammen: „Wir haben bewiesen, dass ein Triumph auch dann funktioniert, wenn niemand versteht, wie.“ Danach wurde die neue Flagge gehisst. Sie zeigte einen Tennisball, einen Stempel und einen kleinen Ausrufezeichen-Schläger, der noch keine Genehmigung hatte. Die Versammlung endete mit dem Beschluss, über den nächsten Beschluss einen weiteren Beschluss zu fassen.