Es war einmal eine Zeit, da organisierte ein Mensch Kurse, kümmerte sich um die Teilnehmer und kannte beim Bäcker die Hälfte der Belegung mit Vornamen. Diese Zeit ist jetzt nicht vorbei, sondern nur ein bisschen vorbei, weil die zuständigen Damen aufgehört haben, aber nicht wirklich, sondern eher so halb, auf eine Art, die sich wohl "neue Phase" nennt, was im Verwaltungsdeutsch ungefähr bedeutet, dass sie weiterhin im Haus herumgehen und freundlich winken.
Man darf also gratulieren. Jahrzehntelang haben zwei Frauen das getan, was in Sonntagsreden immer "unverzichtbare Arbeit" heißt und in Wirklichkeit bedeutet, dass jemand auch dann noch den Herd abgedreht hat, wenn andere längst nach Hause gegangen sind. Kurse organisiert, Gemeinden beackert, Menschen für Bildung begeistert. Bildung, also jenen Stoff, den man erwirbt, um später zu verstehen, warum einen die Wirklichkeit trotzdem überrascht. Das verdient Respekt, ja. Es verdient aber vor allem eines: ein ordentliches Essen, einen Blumenstrauß und die ehrliche Versicherung, dass man sich nicht auch noch zur Pensionierung ein zweites Mal hinstellen muss.
Stattdessen kommt die Regionalleitung daher und sagt Sätze, die so klingen, als hätte sie jemand aus einem Workshop für Führungskräfte mitgenommen. Bewährtes weiterführen und gleichzeitig Raum für neue Ideen schaffen. Bildung lebt von Veränderung. Das ist ungefähr so überraschend wie die Erkenntnis, dass Wasser nass ist, aber man darf es halt sagen, weil Personalwechsel sonst nach Personalwechsel klingt und nicht nach einem Aufbruch, den man auf Plakate drucken kann.
Besonders rührend ist die Formulierung, die Damen würden der Einrichtung "weiterhin auf unterschiedliche Weise verbunden" bleiben. Auf unterschiedliche Weise. Das ist die elegante Umschreibung dafür, dass man sich nicht traut, einfach Tschüss zu sagen, weil man noch gebraucht wird, es aber offiziell nicht mehr so nennen will. In jedem anderen Betrieb würde man sagen, die Leute werden nochmal gerufen, wenn Not am Mann ist. In der Bildungswelt heißt das neue Phase, geplanter Übergang, nach vorne blicken. Klingt nach Bergtour, ist aber Organisationspsychologie.
Dann der eigentliche Clou. Das Programmheft wird nicht mehr vor Ort zusammengeschustert, sondern erstmals zentral geplant. Erstmals. Man höre und staune. Da sitzen also zwei Menschen in einer Regionalstelle, falten jahrelang Hefte und falten sie richtig, weil sie die Leute kennen, und jetzt kommt ein Regionalteam und plant das Ganze zentral, damit es vielfältiger wird, digitaler, moderner, überhaupt. Was natürlich niemanden auf die Idee bringt, dass ein Heft, das ein Mensch vor Ort macht, schon deshalb vielfältig ist, weil dieser Mensch weiß, ob im Nachbardorf gerade lieber Yoga oder Motorsägenkurs gebraucht wird.
Aber gut. Das ist der Lauf der Dinge. Zentral geplant wird alles, irgendwann, meistens dann, wenn die Personen, die es lokal gut konnten, endlich aufhören. Im Heft steht dann nicht mehr, wer was anbietet, sondern es steht überhaupt erst einmal alles drin, weil zentral geplante Hefte alles enthalten, nur nicht das, was vor Ort gerade fehlt. Der Fortschritt feiert seine Premiere, und das gedruckte Heft zeigt nur noch einen Ausschnitt, das vollständige Angebot findet sich auf der neu gestalteten Website, was übersetzt heißt, man darf sich die Seite schon mal auf dem Handy anschauen, bevor der Kurs beginnt.
Und weil das alles nicht genug wäre, winkt am Horizont noch eine Küche. Ein 70-jähriges Jubiläum, ein Gutschein, eine Familie mit einem Sohn namens Oskar und einer Küche, die so charaktervoll ist, dass sie offenbar der Mittelpunkt des Hauses geworden ist. Man darf sich also aussuchen, ob man lieber über den Bildungswandel staunt oder über die Küche nachdenkt. Beides ist möglich. Das ist das Schöne an zentral geplanter Vielfalt, am Ende passt immer etwas hinein, solange man nicht zu genau hinschaut.
Also: Alles Gute den beiden Damen. Möge ihre neue Phase genau so lang sein, wie ihre alte war, und möge das zentral geplante Heft irgendwann jenen Charakter bekommen, den man früher mühelos auf dem Flur mitbekam, wenn jemand einfach sagte, der Pensionsistenkurs ist diese Woche im Pfarrhof, ihr wisst schon. Diese Sätze wird es in Zukunft noch geben. Nur eben aus anderer Richtung. Das ist Bildung. Sie lebt von Veränderung. Und die neue Website ist auch schon offen.