Es ist ein uralter Grundsatz der Politik, dass man Spenden nimmt, aber so tut, als habe man sie nicht genommen. Diese Kunst beherrschen im Vereinigten Königreich derzeit offenbar mehrere hochdekorierte Apparatschiks einer Partei, die sich vorgenommen hat, das Land vor allem Fremden zu schützen, besonders vor solchen mit Konten.
Zwei besonders exponierte Vertreter dieser Zunft haben am Freitag ihre Ämter niedergelegt. Es soll sich dabei unter anderem um einen Berater handeln, der seinem Chef besonders nahe steht, was vermutlich bedeutet, dass sie beim Wählen derselben Sorte Frühstücksei schon mal Blicke gewechselt haben. Die Betroffenen reagierten, wie Politiker reagieren, wenn etwas schiefgeht: mit sofortigem Rückzug, tiefer Betroffenheit und der Versicherung, dass man von alledem natürlich erst hinterher erfahren habe.
Die Vorgeschichte liest sich wie das Drehbuch einer Provinzposse, die in Wimbledon spielt. Eine Dokumentation eines Senders, dessen Name hier mit keinem Wort fällt, weil das sonst wie Quellenangabe aussieht, hat offenbar nachgewiesen, dass ein ausländischer Unternehmer eine erhebliche Summe lockermachen wollte. Lockermachen ist ein schönes Wort dafür, dass jemand mit Geld winkt und darauf hofft, dass die andere Seite moralisch wie ein schlecht trainierter Hund an der Leine zerrt.
Was dann folgte, war das übliche Theater. Ein Berater ging, weil er angeblich zu viel wusste, ein Funktionär ging, weil er angeblich zu wenig wusste, und beide sprachen von Schritten, die man nun einleiten werde, was in der Sprache der Politbüros bedeutet, dass man erstmal gar nichts einleitet und abwartet, bis der nächste Sendetag kommt. Die Partei selbst sprach von Einzelfällen, transparenter Aufarbeitung und der festen Überzeugung, dass der Wähler ohnehin vergesslich sei, was historisch betrachtet eine ziemlich zuverlässige Annahme ist.
Man darf sich das Ganze ruhig als britische Version eines niederösterreichischen Feuerwehrfestes vorstellen. Es gibt ein Zelt, es gibt Würstchen, es gibt einen Kassier, der kurzzeitig verschwindet, und am Ende steht ein Mann mit Trillerpfeife da und sagt, man habe alles im Griff. Das Publikum applaudiert, weil das Publikum immer applaudiert, wenn jemand energisch auf einen Punkt klopft. Der Punkt ist meistens Nebensache, die Energie ist die Hauptsache.
Dass ausgerechnet eine Bewegung, die das Wort Souveränität ungefähr so häufig benutzt wie ein Wiener Würstelstand das Wort Knacker, bei der Geldsuche über Grenzen hinweg ertappt wird, hat einen besonderen Charme. Es erinnert an jene Vereine, die in der Kantine vehement gegen die Tiefkühllasagne wettern und sich dann beim Caterer der Versammlung heimlich die dritte Portion holen. Man könnte sagen, die nationale Würde wird hier nicht verletzt, sondern professionell gegen Bargeld getauscht, in mehreren Tranchen, mit freundlicher Quittung.
Natürlich ist nichts davon strafrechtlich relevant, solange niemand behauptet, es sei strafrechtlich relevant. Es geht um Diskretion, um Pietät, um jene zarte Pflanze der politischen Hygiene, die am besten im Verborgenen blüht. Die beiden Rücktritte sind daher weniger ein Schuldeingeständnis als eine Art kollektiver Mittagsschlaf. Man legt sich hin, atmet tief durch und steht wieder auf, sobald die Kameras woanders hin schauen, was in Großbritannien ungefähr zwei Stunden dauert.
Was bleibt, ist ein Vorgeschmack auf das, was diese politische Familie in Zukunft liefern wird. Weitere Spenden, weitere Empörung, weitere Rücktritte, weitere Comebacks. Es ist ein Kreislauf so verlässlich wie der Pendelverkehr zwischen Wien und St. Pölten, nur ohne das lobende Bundesheer dazwischen. Und während die Empörungsmaschine heißläuft, sitzt irgendwo ein Berater, der demnächst ein Buch schreiben wird, betitelt in etwa Ich wusste zu viel und schwieg trotzdem, limitierte Auflage, signiert, streng vertraulich, Vorbestellung dringend empfohlen.